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Geschlechterstereotype: Es fängt schon früh an…

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DSC03533Stereotype wirken – ob wir wollen oder nicht! Es ist die Homoehe, die dem Stereotyp der Familie widerspricht, berufstätige Mütter, die das klassische Bild der Hausfrau und Mutter durcheinander bringen oder Deutsche, denen nachgesagt wird, immer pünktlich und organisiert, dabei aber furchtbar humorlos zu sein. Stereotype im positiven Sinn ermöglichen Orientierung im Alltag. Sie ermöglichen uns, die Welt zu ordnen. Das ist vor allem für diejenigen sehr praktisch, die sich durch die vermeintliche Unordnung, die das Hinterfragen von Stereotypen verursachen kann, in ihrer gelernten Denk- und Erwartungshaltung gestört oder sogar bedroht fühlen. Deswegen kleben Stereotype wie Kletten an bestimmten gesellschaftlichen Gruppen. Sie abzuschütteln erfordert nicht nur ein Umdenken Einzelner, sondern eine Mindset-Änderung in der Gesellschaft – bei Männern und Frauen. Dass diese Mindset-Änderung schon frühzeitig gefördert werden sollte, wurde mir letzte Woche in der Schule meines Sohnes noch einmal auf sehr eindrucksvolle Art und Weise deutlich.

Mein Sohn ist in der 5. Klasse einer internationalen Schule und seine Jahrgangsstufe hat in der letzten Woche ihr Abschlussprojekt vorgestellt, das – basierend auf den Milleniumszielen der UN – zum Ziel hatte, zu den verschiedenen UN-Milleniumszielen Fragen zu überlegen und die Antworten zu recherchieren. Das Team meines Sohnes  (2 Mädchen, 2 Jungen) hat sich für das Thema „Gleichstellung von Frauen“ entschieden und sich das Thema „Rollen-/Geschlechterstereotype“ vorgenommen.

Einige von Ihnen haben ihn vielleicht auf der women&work erlebt, als er über 100 Frauen einen Interviewbogen in die Hand drückte mit Fragen zu Genderstereotypen. Über 80 Rückantworten hat er zurück bekommen (DANKE an der Stelle an alle Besucherinnen, die mitgemacht haben!) – und die ausgearbeiteten Antworten finden Sie hier. Interessant an seiner Umfrage ist nicht nur, dass die befragten Frauen nach wie vor ein hohes Maß an Ungleichheit registrieren und kommentieren, sondern dass sie auch bestätigen, dass Medien, Werbung und auch die Spielzeugindustrie die klassischen Rollenbilder nach wie vor pflegen. Das klassische Kletten-Syndrom wirkt hier ganz hervorragend – es steigert den Umsatz.

Spannend ist in dem Zusammenhang ein Experiment, dass das Team meines Sohnes in der Schule durchgeführt hat: Ein Junge aus dem Team hat eine Babypuppe genommen und in der Pause mit ihr gespielt, während ihn das restliche Team aus der Ferne gefilmt hat. Wie mir mein Sohn berichtete, wurde der Junge sofort von seiner „Peer-Gruppe“ gehänselt, als Schwächling betitelt und lächerlich gemacht. Jungs und Babypuppen passen offensichtlich schon in dem Alter nicht zusammen. Erst auf kritisches Nachfragen des Teams wurde den Jungen ihr Verhalten bewusst. Und erst dann stellten sie ihr Verhalten um.

LeadershipEin weiteres Team aus der Jahrgangsstufe hat sich dem Thema „Gleichstellung von Frauen“ gewidmet – und auch ihre Ergebnisse sind sehr spannend. Diese Gruppe hat sich mit der Frage beschäftigt, warum sich Schüler der Schule dazu entschließen, nicht in Führung zu gehen. Als Hintergrund sollte man wissen, dass die Schule viel Wert darauf legt, den Schülerinnen und Schülern schon sehr früh Leadership-Kompetenzen zu vermitteln. Präsentieren, Sprechen vor Gruppen oder Projektarbeit werden bereits ab der Vorschule spielerisch geübt. Die Stärkung der persönlichen Kompetenzen, das Festlegen persönlicher Ziele und die permanente Reflektion über eigenes und fremdes Verhalten sind an dieser Schule in den normalen Lernablauf integriert und elementarer Bestandteil der Schulbildung.

Und trotzdem brachte die Umfrage folgendes Ergebnis zu Tage:
(Mehrfachantworten waren möglich)

  • 9% der Jungen trauen sich Führung nicht zu („Lack of Confidence“), bei den Mädchen sind es 36%.
  • 5% der Jungen haben Angst vor „public speaking“ – bei den Mädchen sind es 22%.
  • 29% der Jungen haben kein Interesse an Leadership – bei den Mädchen sind es hingegen nur 21%.
  • 29% der Jungen finden, Leadership habe ein schlechtes Image – bei den Mädchen sind es 0%.

Die Ergebnisse dieser Schul-Umfrage und der „Babypuppen-Versuch“ lassen mich sehr nachdenklich zurück und ich frage mich:

  • Erfahren Mädchen und Jungen in der Schule (vermeintlich) keine geschlechtsspezifischen Nachteile, weil sie sich – bewusst oder unbewusst – schon von frühester Kindheit an geschlechtskonform (also stereotyp) verhalten?
  • Warum fällt die Leadership-Umfrage so aus? Wieso haben die Mädchen schon in frühen Jahren kein Vertrauen in die eigenen Führungsqualitäten und Angst vor „public speaking“ – wenn sie es doch täglich üben?
  • Wenn nur 21% der Mädchen kein Interesse an Leadership haben – an welchen Stellen verlieren wir die restlichen 79%?

Offensichtlich sind Gender-Stereotype tief verwurzelt und sie kleben schon an den Kindern wie die Kletten. An der Stelle wird so deutlich, dass ein Ignorieren geschlechtsspezifischer Unterschiede absolut kontraproduktiv ist. Verzichten wir weiterhin auf Gender-Awareness-Trainings in Schule, Ausbildung und vor allem in den Unternehmen, verstärken wir die Ungleichheit, die – gefühlt und real – schon von frühester Kindheit und Jugend an besteht!

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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