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Interview: „Mit Drosophila zum Nobelpreis“ | #RoleModel | #Wissenschaft | #MINT

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Christiane Nüsslein-VolhardFrauen in MINT-Berufen sind zwar auf dem Vormarsch, sichtbar erfolgreiche Frauen in MINT-Berufen jedoch nach wie vor noch selten. Umso wichtiger ist es, dass die Frauen, die in Forschung und Wissenschaft Erfolge erzielen, sichtbar sind und zeigen, auch in vermeintlichen Männerdomänen können Frauen ihren „Mann stehen“. Aus diesem Grund freue ich mich ganz besonders über das Interview mit einer Frau, die weltweiten Ruhm für ihre Arbeit erlangt hat und dafür 1995 mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie belohnt wurde: Prof. Dr. Christiane Nüsslein-Volhard.

Frau Prof. Dr. Nüsslein-Volhard, 1995 haben Sie den Nobelpreis für Medizin und Physiologie gewonnen. Was ging Ihnen in dem Moment durch den Kopf, als Sie die Nachricht erhalten haben?
Ich war sprachlos und ehrfürchtig- das heißt, ich habe mich vor der Ehre gefürchtet. Aber ich habe mich toll gefühlt.

1995 war außer Ihnen keine weitere Frau für den Nobelpreis nominiert. Wie fühlten Sie sich bei der Preisverleihung und danach als eine Frau unter sehr vielen männlichen Preisträgern?
Die Preisverleihung war ein ganz großes Erlebnis. Die einzige Frau unter vielen Männern zu sein, bin ich gewohnt.

Sie sind eine von wenigen Frauen, die diese honorige Auszeichnung erhielten. Bis 2010 wurden insgesamt 773 Nobelpreise in den fünf klassischen Kategorien vergeben, davon gingen 23 an Organisationen, 710 an Männer und nur 40 an Frauen. Der Frauenanteil liegt damit in den klassischen Kategorien bei 5,6%. Das ist ernüchternd. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für die geringe Quote weiblicher Preisträgerinnen?
Frauen sind in den Naturwissenschaften noch nicht in dem Maße vertreten, wie es ihren Talenten entspricht. Für einen Nobelpreis muss man eine außergewöhnliche Entdeckung gemacht haben, das bedeutet einen großen Einsatz, den Frauen, besonders auch aus Familiengrünen, nicht so gut bringen können wie Männer, denen von ihren Ehefrauen einiges abgenommen wird.

Sie haben 2004 die Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung gegründet, die jungen Wissenschaftlerinnen durch finanzielle Zuschüsse die Kinderbetreuung erleichtern soll. Wie hat sich die Situation der Wissenschaftlerinnen in diesen 10 Jahren verändert?
Die Zahl der Frauen, die sich für Wissenschaft entscheiden, ist im Ansteigen. Auch ist es heute anerkannt, dass kleine Kinder in Kinderkrippen gut aufgehoben sind, was den jungen Müttern das Arbeiten im Labor erlaubt, und sie keine langen Babypausen machen müssen.

Welche Kompetenzen und Voraussetzungen braucht man, um in der Wissenschaft und der Forschung erfolgreich zu sein – und vielleicht irgendwann den Nobelpreis zu gewinnen?
Man muss schon eine gewisse Begabung für das Fach, das man sich gewählt hat, haben, das heißt, es muss Spaß machen und man sollte schnell vorankommen und erfolgreich sein. Eine Besessenheit, ein großer Antrieb, die Lust daran, etwas zu verstehen, gehört sicher dazu. Und ein Durchhaltevermögen. Da der zeitliche Einsatz hoch sein muss, um etwas gelingen zu lassen, muss man natürlich auf anderen Gebieten- Hobbies, Sport, Schönheitspflege, Urlaub- die viel Zeit brauchen, Abstriche machen.

Sie sind Nobelpreisträgerin, Forscherin, Professorin, Stiftungs- und Firmengründerin, Unternehmerin, Mitglied im Nationalen Ethikrat und Kanzlerin des Ordens Pour le mérite. Wie schaffen Sie es, diese vielen Rollen zu managen?
Das wird mir auch manchmal zu viel, aber ich habe diese Verpflichtungen und Ämter ja nicht alle gleichzeitig gehabt. Die Forschung ist mir schon immer noch das wichtigste. Und die Musik.

Deutschland ist ein Land, das in einem starken globalen Wettbewerb steht. Innovationen sind für unser Land zukunftsentscheidend. Als Forscherin und Professorin kennen Sie die Innovationslandschaft besser als viele andere. Sind wir im Bereich Wissenschaft und Forschung international wettbewerbsfähig? Was braucht es zukünftig für Voraussetzungen, damit wir an der Spitze bleiben (oder dahin kommen)?
Die Forschung, besonders die Grundlagenforschung, steht in Deutschland im internationalen Vergleich gut da. Es gibt an den Universitäten einige Probleme, die durch die stark steigenden Studentenzahlen und den Übergang in den Bachelor- Master-Studiengang verursacht wurden, diese werden sich aber beheben lassen. In Deutschland ausgebildete Hochschulabsolventen sind im Ausland sehr gerne gesehen, was heißt, dass das Ausbildungsniveau hoch ist.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen einen Begriff und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Flexibilität: muss sein
  • Innovation: Modewort
  • Anpassungsfähigkeit: Vorsicht
  • Kreativität: sehr selten
  • Veränderung: irritierend
  • Angst: häufig
  • Zukunft: wer weiß?
  • Deutschland: ganz gut
  • Ich: werde alt
  • Beruf: gut
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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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