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Interview: „Frauen und Finanzen“ | #Altersvorsorge | #Kapital | #Geld | #EPD2016

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Petra PaschekAm 2. Dezember startet die Webinar-Reihe von Petra Paschek exklusiv im Rahmen der women&work-Webinare. Da das Thema nicht ganz so eingängig und für viele Frauen oft die Attraktivität missen lässt, haben wir mit Frau Paschek ein Interview gemacht, um das leidige Thema „Geld“ mal von einer langfristigen Perspektive aus zu beleuchten.

NAME: Petra Paschek
BERUF: Finanzberaterin und Finanzbegleiterin
Meine Webseite: www.reale-werte.eu

Frau Paschek, Sie sind Finanzfachwirtin und beschäftigen sich mit Geldanlage und Altersvorsorge. Das ist ein bei Frauen häufig wenig beliebtes Thema. Was glauben Sie ist der Grund dafür?
Meine Erfahrung ist, dass sich die wenigsten Menschen gerne mit ihren Finanzen oder ihrer Altersvorsorge beschäftigen, egal ob Frauen oder Männer. Es ist ein bisschen so wie beim Sport: wir alle wissen, dass es wichtig und notwendig ist, sich zu bewegen, aber die wenigsten sind so richtig begeistert davon J.
Genauso ist es hier auch: Wir alle wissen, dass Geld – gerade im Alter, wenn mein vorheriges Einkommen wegfällt – wichtig ist, fühlen uns aber oft überfordert mit dem Thema.

Sie beraten Frauen und Männer. Nehmen Sie Unterschiede zwischen den Geschlechtern wahr, wenn es um Geldanlage und Altersvorsorge geht?
Wir lesen und hören öfter in den Medien, dass Frauen bei diesen Themen vorsichtiger und sicherheitsbewusster seien als Männer. Was nicht verwundert, da Männer – bei aller Emanzipation – in der Regel nach wie vor vertrauter im Umgang mit Geld und Macht sind. Das ist übrigens auch ein Mehrwert für die Frauen bei den „Wirtschaftsweibern“. Ein Verein, für den ich einige Jahre im Vorstand aktiv war und der u.A. zum Ziel hat mehr (lesbische) Frauen in Führungspositionen und Aufsichtsräte zu bringen und sich auf diesem Weg zu unterstützen.
In einer jüngeren Studie habe ich dann zum ersten Mal gelesen, dass Frauen, wenn sie die gleichen Ressourcen haben wie Männer – in diesem Fall Geld und Informationen – ebenso rendite- und risikobewusst investieren wie Männer. Das deckt sich mit meiner Erfahrung in über 25 Jahren Beratung. Die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, wollen wenigstens in den Grundzügen verstehen, was mit ihrem Geld gemacht wird und nachvollziehen können, woher der Ertrag kommen soll und wo die Risiken liegen. Was aus meiner Sicht ein kluger Ansatz ist J. Wenn das der Fall ist, sind sie auch in den meisten Fällen bereit, bekannte Wege zu verlassen und anders zu investieren oder sparen, als die ursprüngliche Idee war.

Worauf sollten Frauen hinsichtlich ihrer Altersvorsorge besonders achten?
Auf jeden Fall auf die Geldentwertung! Gemeinhin wird hierbei von Inflation gesprochen, was leider nicht ganz richtig ist. Geldentwertung beinhaltet die Inflation, also Preissteigerung der Güter und Dienstleistungen. Hinzu kommt aber der tatsächliche Verlust des Wertes, weil wir spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise 2009 sehen, dass die Notenbanken weltweit „Geld drucken“ und sich damit die Geldmenge erhöht. Wir alle wissen was passiert, wenn das Angebot steigt, die Nachfrage (Wirtschaftswachstum) aber nicht so stark steigt oder sogar fällt. Der Preis / Wert für eine Sache fällt und beim Geld ist das genauso. Das ist der Grund dafür, dass die sogenannte „wahre Inflation“ in den letzten 12 Jahren ca. 6% pro Jahr betragen hat und nicht ca. 1,50% wie die offizielle Inflation. In der Kapitalanlage und Altersvorsorge heißt das, dass ich mit einer Rendite zwischen 0 und 3%, wie wir sie beim Tagesgeld, beim Bausparen oder klassischen Versicherungen bekommen, nicht genug erwirtschafte, um meine Kaufkraft zu erhalten. Obwohl ich spare und jetzt auf Konsum verzichte, reicht das noch nicht einmal aus, um mein Kapital zu erhalten, sondern ich verliere tatsächlich Jahr für Jahr Geld.

Und wann sollten Frauen anfangen, sich um das Thema zu kümmern?
Aus meiner Sicht sollte das Thema Finanzielle Bildung bereits in den Schulen gelehrt werden. Z.B. ist die Macht des Zinseszinseffektes über 20, 30, 40 Jahre den wenigsten klar. Als nächstes kann frau mit kleinen Schritten – wie z.B. ein paar Aktien oder einem Wertpapiersparplan beginnen, um ein Gefühl für Schwankungen und die Märkte zu bekommen. Die besten Startbedingungen haben diejenigen, die schon bei ihren Eltern mitbekommen, dass diese sich für Aktien und Immobilien interessieren und warum.

Wir leben in wirtschaftlich sehr volatilen Zeiten. Währungen verfallen, der Goldpreis sinkt, Unternehmen verlieren nicht selten über Nacht Milliarden an der Börse. Das ermutigt nicht, zu investieren. Was sind denn Ihrer Meinung nach heute überhaupt noch reale Werte?
Bewegungen an den Märkten, egal ob Aktien, Immobilien, Gold, etc. gab es schon immer. Die meisten haben aber keine Übung darin, mit diesen Schwankungen umzugehen und sie auszuhalten oder sogar für sich zu nutzen. Reale Werte sind in diesem Zusammenhang für mich Investitionsobjekte, die einen inneren Wert besitzen, egal wie gerade die Bewertung an den Märkten stattfindet. Bei Immobilien sind das z.B. die Materialien, also das Haus an sich und die Vermietbarkeit. Bei Aktien die Firmen, die dahinter stehen, mit ihren Produkten, Patenten, Gebäuden, Maschinen, Mitarbeitern, etc.. Bei Gold der Metallwert, der endlich ist und die weltweite Anerkennung als Zahlungsmittel.

Der Werbefilm einer Bank warb in den 90er Jahren mit dem Spruch „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“. Für viele ist Besitz heute allerdings nicht mehr das alleinige Seelenheil. Dennoch sollte Geld gut angelegt und die Altersfinanzierung gesichert sein. Welche Kapitalanlagen lohnen sich heute noch langfristig?
Ich bin ganz bei Ihnen – materielle Dinge sind schön, aber meistens nicht wesentlich. Das  Wesentliche wie Zeit oder Zufriedenheit lässt sich nicht kaufen. Nichtsdestotrotz können wir es uns nicht erlauben so zu tun, als ob wir nicht in einem System leben, in dem die Dinge mit Geld bezahlt werden und ein gewisser Wohlstand gibt uns auch Sicherheit. Der erste Schritt ist aus meiner Sicht sich klar zu machen, dass frau verschiedene Geldtöpfe braucht – kurz-, mittel und langfristig und dass diese nicht vermischt werden sollten, da dabei ganz andere Ziele und Bedingungen eine Rolle spielen. Wenn wir dann über den langfristigen Topf sprechen, dann sind das ganz klar die Sachwerte wie Aktien, Immobilien, Gold, etc. und nicht die Geldwerte wie Bausparverträge und Versicherungen. Selbst in Zeiten höherer Zinsen lag die wahre Inflation stets über deren Ertrag, so dass wir nicht drumherum kommen, uns mit Anlageklassen zu beschäftigen, die uns einen Inflationsausgleich bieten oder jemanden finden, dem wir vertrauen und der uns auf diesem Weg unterstützt und begleitet.

Am 2. Dezember bieten Sie ein Webinar zum Thema „Kapitalaufbau und Altersvorsorge sinnvoll betreiben“ an. Warum sollten Frauen unbedingt daran teilnehmen?
Mein Ziel und auch der Spaß bei meiner Arbeit resultiert daraus, Menschen andere Wege aufzuzeigen und sie zum Nachdenken und Handeln zu bringen. Alle Frauen, die die Notwendigkeit erkennen, sich mit ihrem Geld zu beschäftigen und die auch bereit sind, dies zu tun, sollten teilnehmen. Es ist die pure Notwendigkeit! Egal, ob ich mein Kapital selbst aufbauen oder irgendwann über die Verwendung eines Erbes entscheiden muss, es ist immer gut, sich selbst seine Gedanken zu machen und nicht nur von anderen abhängig zu sein.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen ein Schlagwort und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Karriere: Weiterentwicklung, Wachstum
  • Führung: Fordern und fördern, anderen vertrauen und ihnen helfen, sich weiterzuentwickeln
  • Erfolg: Was ich tue, tue ich gerne und andere profitieren auch davon
  • Macht: Mut und Verantwortung
  • Scheitern: Die Voraussetzung zum Lernen und Weiterentwickeln
  • Quote: Wenn es hilft – aber ob es hilft?
  • Geld: Möglichkeiten
  • Industrie 4.0: Alles vernetzt sich und wieweit gehe ich das mit?
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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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