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[Blogparade] Wort-Gewalt | #OrangeDay | #orangetheworld | #16days

Ein Kommentar

WortgewaltigDer folgende Blogartikel ist unser Beitrag zur Blogparade „OrangeTheWorld 2015“. Wir möchten uns dem Thema „Gewalt“ und „Gewaltprävention“ von einer anderen Richtung nähern. Gewalt findet nicht nur auf körperliche Ebene statt, sondern auch auf verbaler – und an dieser Stelle sind wir alle davon betroffen. Verbale Gewalt hat einen sehr subtilen Charakter – und deswegen merken wir sehr oft gar nicht, dass wir uns selbst diese Gewalt immer wieder zufügen – oder uns diese Gewalt zugefügt wird.

Wenige Tage nach dem Attentat in Paris, betitelte DIE WELT ihren Leitartikel in der Montagsausgabe mit „Diesen Krieg müssen wir gewinnen„. “Krieg”, “Abwehrkampf”, “vernichtender Angriff”, “perverse Sprache der Täter”, “Feind”, “Blutrausch”, “Killer” sind nur einige Vokabeln aus diesem Artikel. Aus diesen Wörtern spricht Aggression. Die Vokabeln sind weder neutral, noch Konflikt mindernd, sondern sie fordern heraus und verursachen – ob wir wollen oder nicht – sofort Bilder in unserem Kopf. Bilder eines Krieges. Nun sind zugegebenermaßen die Anschläge von Paris eine außergewöhnliche Situation. Doch dass diese mediale Rhetorik Spuren hinterlässt und auch von einer politischen Rhetorik untermauert wird, können wir täglich in den Nachrichten sehen und und in den Zeitungen lesen. Präsident Hollande befindet sich im Krieg und hat den Ausnahmezustand in Paris bis heute nicht aufgehoben. Ein Ausnahmezustand hebelt Gesetze aus und stellt die Exekutive vor die Legislative. Das ist ein weiterer Nährboden für Radikalität – und Gewalt.

Doch wir brauchen gar nicht so weit weg zu schauen, wenn es um Wort-Gewalten geht.

  • „Ich bin zu doof.“
  • „Ich bin zu dick.“
  • „Ich bin hässlich.“
  • „Ich kann das nicht.“
  • „Ich schaffe das nicht.“
  • „Andere sind besser als ich.“
  • „Ich finde mich scheiße.“
  • „Ich hasse meine Figur (mein Gesicht, meine Haarfarbe…).“

Das sind nur einige wenige Wort-Gewalten, die wir uns in der ein oder anderen Form mal mehr, mal weniger bewusst, mal mehr, mal weniger ernst gemeint schon mal zugeflüstert, selbst gedacht oder laut ausgesprochen haben. Es sind übrigens Sätze, die  von Männern oder Jungen – wenn überhaupt – sehr viel seltener geäußert werden.

Kaschiert als „Selbst-Zweifel“ entfalten diese Sätze eine im wahrsten Sinne des Wortes gewaltige Wirkung: Sie sorgen einerseits dafür, dass ein Gefühl, was wir haben, in uns manifestiert wird. Sie sorgen durch die verbale Aussprache aber auch dafür, dass diese Gedanken durch die ausgesprochenen Worte einen Resonanzrahmen bilden. Ähnlich wie bei der Kriegspropaganda entstehen sofort Bilder im Kopf der anderen – ob wir das wollen oder nicht, ob wir das beabsichtigt haben oder nicht. Worte sind machtvoll und gewaltig, wenn wir sie rhetorisch richtig einzusetzen wissen. Sie sind aber genauso machtwoll und gewaltig, wenn wir sie unbedarft einsetzen. Nun steckt in diesen Sätzen keine Kriegsrhetorik, daher könnte angenommen werden, der versursachte Schaden sei gering und lediglich einer auf individueller Ebene. Doch dem ist nicht so und ich möchte das an zwei Beispielen verdeutlichen:

  • Quotenfrau“ ist – leider – zu einer Wort-Gewalt geworden, weil wir alle es versäumt haben, die Quote als das in den Medien und der Gesellschaft zu platzieren, was sie de facto nur ist: Ein Vehikel, um Art. 3 des Grundgesetzes endlich flächendeckend umzusetzen. „Andere sind besser als ich“ wird nun durch ein Gesetzt ausgehebelt – und ich persönlich finde: Das ist gut so!
  • Frauenfördermaßnahme“ oder „Frauenförderprogramm“ sind häßliche Wort-Gewalten, weil diese Wörter IMMER implizieren, dass Frauen gefördert werden müssen. Der – oft- weibliche Ausspruch „Ich bin zu doof“ oder „Ich kann das nicht“ wird mit diesem Wort institutionalisiert – ob wir das wollen oder nicht!

Bilden wir einen Resonanzrahmen, in dem wir uns selbst in schlechtes Licht rücken, unsere Persönlichkeit verniedlichen oder verkleinern, uns selbst nicht ernst nehmen oder permanent unterschätzen, dann können wir nicht erwarten, dass andere den Scheinwerfer auf uns richten, unsere wahre Persönlichkeit wertschätzen, uns ernst nehmen oder uns Verantwortung zutrauen, wenn wir selbst an unsere eigene Verantwortungskompetenz nicht glauben. Wir spiegeln, wer (und wie) wir sind – und wir spiegeln genauso das, was wir glauben, wer (und wie) wir sind.

Je klarer unsere Haltung ist, je besser wir uns selbst kennen, je authentischer wir unsere Stärken, Kompetenzen und unser Wissen nach außen tragen, je selbst-bewusster wir sind, je weniger wir uns als Opfer sehen – umso weniger Angriffsfläche bieten wir, umso stärker werden wir wahrgenommen und umso weniger werden wir zu Opfern. Wir bestimmen mit unserer Kommunikation mit uns selbst und mit anderen, mit welchen Worten wir welche Bilder in den Köpfen der anderen – und in unseren eigenen – erzeugen wollen.

Und als Konsumentinnen können wir jeden Tag selbst entscheiden, ob wir die verbale Gewalt (z.B. in den Medien und der Werbung) oder die tatsächliche Gewalt (z.B. in Form von Sklaven- oder Kinderarbeit) an anderen mit unterstützen, oder ob wir mit unserer Kaufkraft, unserem Sinn für Nachhaltigkeit und Menschlichkeit bestimmte Produkte konsequent boykottieren und selbst-bewusster Grenzen bei verbalen Grenzüberschreitungen ziehen und damit das Bewusstsein derer aktivieren, die Sprache und Worte unbedarft einsetzen. Auch dadurch schaffen wir einen Resonanzrahmen im kleinen, der Kreise ziehen kann!

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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