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Interview: „#Coworking in Dahab“ | #womenwork_StartUp

Ein Kommentar

Coworking

Kurz vor Weihnachten 2015 schrieb uns Mira über Facebook an und erzählte uns, dass sie am 15. Februar 2016 – also genau heute in einem Monat – ein CoworkInn in Dahab, Ägypten, eröffnen würde. „Ist ja schon etwas außergewöhnlich – eine junge Frau, die ein Business in Ägypten eröffnet“, schrieb sie mit einem Augenzwinkern. Das fanden wir auch und deswegen bekommt sie auf unserem Blog die Gelegenheit, über ihr Projekt zu sprechen. Das Interview dieser Powerfrau ist wirklich lesenswert – und ihr CoworkInn ein Platz zum Leben, Träumen – und Arbeiten! Wir sind völlig begeistert!

NAME: Mira Arnold
BERUF: gelernte Industriemechanikerin und studiere gerade noch in den letzten Zügen Technikjournalismus und PR an der Hochschule in Sankt Augustin
Meine Webseite: CoworkInn-Dahab.com

Mira, Du hast ein ganz grandioses Projekt gestartet, ein CoworkInn in Dahab, Ägypten. Was ist Coworking und wie bist Du auf die Idee gekommen ein CoworkInn zu eröffnen?
Coworking ist eine neue Arbeitsform. Selbständige, Freelancer, Startups oder auch Studenten nutzen die gemeinschaftlichen Büroräume, vor allem wegen der Community die vor Ort anzutreffen ist. Falls ein Designer zum Beispiel Hilfe beim Programmieren seiner Website braucht, hat er direkt die Spezialisten mit im Coworking Space sitzen. Außerdem bildet sich so ein Netzwerk, was ganz unterschiedliche Vorteile haben kann. Aber hier gibt es ein gutes Video zum Thema Coworking. Kurz gesagt geht es darum, gemeinschaftlich etwas zu erreichen ohne Ellbogen-Strategien. Ich bin einige Zeit im Startplatz in Köln ein- und ausgegangen, vor allem wegen den tollen Workshops und BBQs, die da angeboten werden. Die interessanten Persönlichkeiten, die man da antrifft, sind der Knaller und genau nach meinem Geschmack. Alle wollen sich etwas Eigenes aufbauen, sind super interessante Gesprächspartner und brennen voller Leidenschaft für ihre Projekte. Es sind einfach lebensfrohe und aufgeschlossene Personen, das hat mich beeindruckt und auch selbst motiviert, an meinem eigenen Traum festzuhalten.
Angefangen hat es mit der Idee ein Hostel zu eröffnen, aber ich wollte dann doch noch etwas mehr anbieten und bei meinen Aufenthalten in Dahab konnte ich immer gut für die Uni lernen und arbeiten. So ist dann irgendwann ein Coworking Space draus geworden.

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Es hätte doch auch Berlin oder Köln sein können – warum Ägypten?
Nein, hätte es nicht. 😀 Dass ich mindestens den Winter über aus Deutschland weg kann, war eine meiner Bedingungen, wenn ich mir etwas Eigenes aufbaue. Es ist mir hier einfach zu kalt und zu nass – lieber lauf ich das ganze Jahr in Flip-Flops und Kleidchen durch die Gegend und wach mit Sonnenschein jeden morgen auf. Ich habe vor ca. 6 Jahren als Tauchguide in Dahab gearbeitet und habe mich in den sieben Monaten in dieses kleine Hippie-Dorf verliebt. Immer wieder bin ich zurückgekehrt und habe versucht, so viele Freunde wie es nur geht mitzuschleifen. Keiner von denen hatte sich im Nachhinein darüber beschwert (ganz im Gegenteil) und mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht, ihnen mein geliebtes Dahab zu zeigen und sie an meine Lieblingsplätze zu bringen. Deshalb dachte ich mir auch schon eine ganze Weile, Tourguide in Dahab zu werden – naja jetzt bin ich das ja auch irgendwie. Das freut mich.

Jetzt ist Ägypten nicht gerade bekannt als ein Land der Gleichberechtigung. Wie lebst du als westliche Frau in einem islamischen Staat?
Also ich lebe da ganz normal. 🙂 In Dahab leben sowieso auch viele Europäer und andere „Ausländer“. Hier gibt es eine total gemixte Kultur, was auch gerade das Schöne daran ist. Es spielt hier vielmehr eine Rolle, was für ein Mensch du bist – bist du nett, fair, ehrlich, gutmütig usw. -, als darum, woher du kommst oder welches Geschlecht du hast. In Dahab gehen alle respektvoll miteinander um und alle wollen einfach friedlich miteinander leben. Natürlich gibt es wie in jeder guten Beziehung mal Meinungsverschiedenheiten, aber Dahab selbst macht es einem gar nicht möglich, lange sauer oder wütend zu sein. Es ist alles entspannt und relaxed.

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Dahab liegt in der Nähe von Sharm el Shaik. Da gab es vor einigen Monaten Terroranschläge. Wie sicher ist denn die Region heute?
Wo gab es in Sharm el Shaik Terroranschläge? Meinst Du den Flugzeugabsturz des russischen Metrojets? Gerade sind wieder einige Ermittlungen beendend worden, die gegen einen terroristischen Anschlag sprechen. Ich weiß es nicht, was da passiert ist, aber es ist traurig, dass es jetzt ein falsches Bild über den Sinai gibt. Leider Gottes sind wir nirgends vor Anschlägen sicher, aber die Wahrscheinlichkeit in Dahab davon betroffen zu sein ist nicht höher als in Deutschland. Auf jeden Fall ist der Sharm el Shaik Flughafen jetzt wohl der am stärksten überwachte Flughafen weltweit. Mir ist mein Leben doch auch heilig und ich würde es nicht leichtsinnig riskieren. Ich fühle mich in Dahab zu jeder Zeit sicherer als nachts zum Beispiel in Köln. Jeder der einmal da ist, kann die ganze Aufregung um den Sinai nicht mehr verstehen.

Ich habe mir auf Deiner Webseite Bilder des CoworkInns angeschaut. Die Anlage sieht fantastisch aus. Welche Schritte waren notwendig, dieses Projekt umzusetzen?
Also ich möchte jetzt eher weniger auf langweilige durchstrukturierte Planung etc. eingehen. Alles ist realisierbar, wenn man es nur wirklich will und sich selbst keine Entschuldigungen dazu ausdenkt. Wenn du eine gute Idee hast, für die du brennst und die du einfach mal ausprobieren willst, dann mach es und rede nicht nur davon. Fang einfach irgendwo an, wirklich zu handeln. Plane nicht einfach nur so allein vor dich hin. Geh unter Menschen die schon gegründet haben und rede mit denen über deine Idee. Hole dir Tipps und Erfahrungen und geh raus mit dem „Produkt“ an die Öffentlichkeit so schnell du kannst. Warte nicht bis du denkst „jetzt ist alles fertig“. Denn das ist es nie. Deine Kunden sagen dir schon, was genau sie haben wollen und was sie erwarten und das bietest du ihnen dann. So kann man sich besser darauf einstellen. Die meisten, die doch selber Gründen wollen, gehen einfach nicht an die Öffentlichkeit damit und finden den Anfang nicht.
Ein großer Vorteil ist natürlich, dass ich vor Ort gute Beziehungen bereits über Jahre pflege und auch hier in Deutschland von meinen derzeitigen Chefs von „Rausgegangen“ absolute Unterstützung erfahre und super gut beraten werde.
Ich hatte zuerst eine Facebookseite angelegt, ein paar Posts in den Gruppen meiner zu erwartenden Zielgruppe gemacht. Als ich dann 100 Likes hatte, habe ich gemerkt, dass es ein Interesse gibt und habe angefangen alles andere zu planen. Schritt für Schritt. Ich hatte auch zuerst den Fehler gemacht, mich viel zu lange mit der Namensfindung auseinander zu setzten. Jetzt könnte ich drüber lachen. Alles Zeitverschwendung… auch der Name muss meiner Meinung nach nicht gleich perfekt sein. Das kommt schon, was aber nicht einfach so kommt ist, dass man dich und dein Produkt kennt.

Wer kann in Deinem CoworkInn leben und arbeiten?
Also, da gibt es verschiedene Zielgruppen, aber natürlich muss der Job digital ausführbar sein. Selbstständige, die gern einmal Urlaub machen wollen, sich aber einfach nicht für 2 Wochen komplett rausziehen können, Freelancer und Studenten, die vielleicht gerade im Winter es nicht einsehen, von dem kalten Deutschland aus zu arbeiten, Startups die gern mal einen Tapetenwechsel haben wollen, um ihren Geist wieder neu zu starten und wieder auf kreative Ideen zu kommen, aber auch komplette Abteilungen, um das Team zu stärken durch gemeinsames Tauchen oder Klettern gehen etc. (Teamwork mal etwas interessanter). Oder auch Menschen, die sich gerade etwas suchen und gerne etwas auf die Beine stellen wollen aber gewisse Schritte dafür nicht allein schaffen und Gleichgesinnte suchen oder evtl. sogar ein Partner zum Gründen oder so.

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In das CoworkInn kommen ja vermutlich Menschen aus der ganzen Welt. Was erfährst Du von den Menschen aus allen Teilen der Welt, wenn sie in Deinem CoworkInn arbeiten?
Also noch gibt es das CoworkInn wird ja erst am 15. Februar 2016 eröffnet. Aber ich habe natürlich schon mit Interessenten gesprochen. Den Menschen wird ihr Leben und ihre Freiheit viel wichtiger. Was auch dringend nötig ist. Viele überarbeiten sich bzw. haben keine gute Balance zwischen Privat und Arbeitswelt. Nun könnte man meinen, dass ich mit dem CoworkInn genau das Gegenteil bezwecke, weil man dann ja immer wieder auch arbeiten könnte. Gerade Selbstständige werden davon abgehaltens gar nicht in den Urlaub zu fahren, weil sie es sich nicht leisten können komplett für eine gewisse Zeit von der Bildfläche zu verschwinden. Ich gebe ihnen die Möglichkeit mit einem besseren Gewissen mal zu verschwinden, denn wenn es brennen sollte, können sie jederzeit agieren. Tiefer kann ich bisher nicht auf die Frage eingehen, da fehlen mir noch ausreichend Erfahrungswerte, um mir wirklich eine Meinung darüber zu bilden.

Gesetzt den Fall ich würde Dein CoworkInn nutzen wollen: Was müsste ich bei Vorbereitung und Anreise beachten – und wie lange dürfte ich denn maximal vor Ort bleiben?
Man muss mit einem noch mindestens 6 Monate gültigen Reisepass kommen. Personalausweis geht auch, aber das wird etwas komplizierter. Wenn man nicht länger als 15 Tage bleiben möchte, reicht das Sinai-Only-Visum, das man kostenlos einfach beim Herausspazieren vom Flughafen eingestempelt bekommt. Alles andere wird hier jetzt zu kompliziert zu erklären. Dafür darf man mich dann auch gern anschreiben. Irgendwelche besonderen Impfungen oder so etwas werden nicht benötigt. Ein eigener Computer sollte mitgebracht werden und eher bequeme als schicke Klamotten. Günstige Flüge findet man übrigens bei Kayak.com.

Zum Schluss mach doch bitte ein bisschen Werbung in eigener Sache: Was haben Dein CoworkInn und Dahab als Reiseziel zu bieten?
Wirklich viel mehr als man zuerst annimmt. Dahab ist ein wundervoller friedlicher Ort. Er bietet auf der einen Seite abwechslungsreiche Sportangebote und auf der anderen Seite die Möglichkeit sich wirklich mal zu entspannen. Ich bin schon an vielen Plätzen dieser Welt gewesen, aber Dahab hat tatsächlich etwas magisches und entschleunigt dich von Grund auf. Die Gelassenheit und die positive Ausstrahlung der hier lebenden Menschen steck einfach an, wie ein guter Virus. Es ist unmöglich Dahab mit Worten zu beschreiben. Für mich und viele andere ist es das Paradies. Dahab macht glücklich.

Und nun noch ein kleines Spiel. Ich sage Dir ein Schlagwort und Du sagst mir, was Dir als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Karriere: lieber Selbstverwirklichung
  • Führung: Eine richtig gute Führung habe ich von meinen letzten Chefs von Rausgegangen vorgelebt bekommen. Es ist immer ein Miteinander und führen kann nur der, der wirklich Respekt verdient hat. Chefs mit teuren Anzügen und spießigem Verhalten bringen mich zum Lachen.
  • Erfolg: Ist für mich nicht mit Geld oder Ansehen gleichzusetzen.
  • Macht: Damit tue ich mich schwer. Ja, wenn sie positiv eingesetzt wird ist das natürlich gut.
  • Scheitern: ist super, nirgendwo lernt man mehr.
  • Quote: Dient zur Orientierung.
  • Geld: Mit Geld kann man ziemlich viel dummen Blödsinn kaufen, bei dem man denkt, dass es einen glücklich machen würde.
  • Industrie 4.0: Logische Folgerung…

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Habt Ihr auch gegründet oder seid Ihr gerade im Gründungsprozess?
Dann schreibt uns an und überzeugt uns! Unter der Rubrik „#womenwork_StartUp“ wollen wir innovative Gründungsideen von Frauen vorstellen.

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

Ein Kommentar zu “Interview: „#Coworking in Dahab“ | #womenwork_StartUp

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