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Interview: „Vertrauen im internationalen Kontext“ |#WomenWorldWide

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VertrauenDas Schwerpunktthema der women&work 2016 lautet „www – Women World-Wide„. Eine der Referentinnen, die sich dieses Themas annehmen wird, ist Drissa Schoeder-Hohenwarth. sie ist internationaler Coach und wird das Thema „Vertrauen im internationalen Kontext“ beleuchten. Erste Einblicke gibt sie heute schon in diesem Interview.

NAME: Drissa Schroeder-Hohenwarth
BERUF: Internationaler Coach für Führungskräfte, Teams und Organisationen
Meine Webseite: www.dsh-internationalhr.com

Frau Schroeder-Hohenwarth, welche besondere Bedeutung hat Vertrauen im internationalen Kontext?
Vertrauen ist generell die Grundlage für gute menschliche Beziehungen, egal in welcher Kultur. Vertrauen beeinflusst die Art, in der sich Menschen begegnen, sich gegenseitig einschätzen, miteinander kommunizieren und Situationen empfinden. Vertrauen ist das, was uns das Gefühl der Sicherheit miteinander gibt, dass der Andere unsere Schwachstellen nicht ausnutzen wird.
Der internationale Kontext, ob man damit schon Erfahrung hat oder nicht, hat die Gabe, uns emotional zu berühren. Man kann das mit Neugier und Freude genießen, mit Humor nehmen, sich darüber ärgern oder Angst davor haben. Kalt lässt das aber niemanden Menschen zu treffen, die anders sind als wir, und die wir deswegen glauben, nicht einschätzen zu können.
Das trifft übrigens nicht nur im internationalen Kontext zu: Auf das gleiche Thema – Vertrauen – treffe ich auch, wenn ich Klienten im nationalen Kontext coache, die emotional werden, wenn sie auf Menschen treffen, die sehr anders sind als sie. Der Unterschied im internationalen Kontext ist der, das man – manchmal zu Recht, manchmal zu Unrecht – glaubt, dafür eine gute Erklärung zu haben: die Kultur.

Wird Vertrauen überall gleich definiert oder gibt es Unterschiede, wann Menschen in unterschiedlichen Ländern und Kulturen Vertrauen spüren?
Die Grundlage – dieses Gefühl der Sicherheit, das man empfindet, wenn man jemandem vertraut –  ist für alle Menschen gleich. Die sichtbare Form des Vertrauens aber kann sehr unterschiedlich sein.
In manchen Kulturkreisen werden zum Beispiel die zwischenmenschlichen Beziehungen zuerst intensiv und ausgiebig getestet, bevor man ernsthaft zusammen arbeitet. In anderen Kulturen ist es anders herum. Man arbeitet zuerst „sachlich“ zusammen und dann guckt man, ob sich daraus eventuell auch eine persönliche Beziehung entwickeln kann. Die Bedeutung der Familie, die Unterschiede zwischen Mann und Frau, zwischen Individuum und Kollektiv, die Kommunikation etc.. – es gibt vieles, was im internationalen Kontext anders ist.
Deswegen ist in diesem Kontext das Potenzial für Missverständnisse auch noch grösser als im vertrauten Umfeld. Auf diese Punkte werde ich in meinem Vortrag auch eingehen.

Vertrauen ist ein echter Wertschöpfungsfaktor. Dennoch habe ich das Gefühl, dass das Vertrauen momentan an allen Ecken und Enden schwindet. Was glauben Sie, woran das liegt?
Aus meiner Sicht hat es viel mit Überforderung zu tun. Die Menschen sind überflutet mit Veränderungen, neuen Informationen, Situationen, die sie nicht so schnell verarbeiten können. Man vertraut eher dem, das man kennt. Und um etwas zu kennen, muss man zuerst spüren, wie es sich anfühlt. Man braucht Zeit für Annährungen und Beobachtungen, für Austausch und Fragen und Antworten, für gemeinsame Erfahrungen, für Kommunikation und Verständnis. Erst dann kann man vertrauen.
Dafür haben wir aber gar keine Zeit mehr. Weder die Unternehmen noch die Gesellschaft nehmen sich dafür ausreichend Zeit. Es geht alles zu schnell und die Kommunikation ist zu oberflächlich. Deswegen gibt es aus meiner Sicht so viele Spannungen und Ängste.
In vielen Unternehmen, in denen ich arbeite, spüre ich Spannungen, die oft darauf beruhen, dass Grundbedürfnisse von Menschen nicht berücksichtigt werden. Man redet auch viel mehr über Sachthemen und übereinander als miteinander.
Der Mensch ist lernfähig und kann sich ein Leben lang verändern, das beweist die Neurowissenschaft. Aber der Mensch braucht dafür bestimmte Bedingungen, die manchmal nicht gegeben sind.
Ich werde oft dafür bezahlt, Menschen dabei zu helfen, wieder einen Weg zu einander zu finden und Vertrauen aufzubauen. Dazu gehört es, ihnen zu ermöglichen, zu entschleunigen und in einem sicheren Rahmen darüber nachzudenken, wo sie gerade stehen, was passiert, und was sie brauchen. Dann kann man in einem weiteren Schritt respektvoll die Themen klären und auf einer neuen Basis wieder neu miteinander starten.
Was brauchen wir, um wieder mehr Vertrauen zu spüren?
Wir brauchen mehr sinnstiftende Kommunikation, mehr Mitgefühl, mehr Neugier und mehr Mut. Authentizität und Selbstvertrauen sind aus meiner Sicht auch essenziel sowie ein grundsätzlicher Glauben an das Gute in den Menschen. Ganz schön viel oder? Aber das sind eigentlich menschliche Qualitäten, die wir alle in uns tragen, die uns aber manchmal verloren gehen und die wir in uns wieder suchen und finden müssen.

Was können wir selbst tun, um für andere Menschen vertrauenswürdig zu sein? Auf welche Kompetenzen und welches Verhalten kommt es an?
Die Veränderung fängt oft bei sich selbst an. Psychologisch betrachtet ist Vertrauen kein objektives Konstrukt, sondern eine subjektive Überzeugung, eine Empfindung, ein Gefühl.
Das heißt, dass es einen inneren Weg zum Vertrauen gibt. Manchmal lohnt es sich, die inneren (negativen) Gefühle zu hinterfragen: nach der Ursache für diese Gefühle zu suchen und die Wahrhaftigkeit der Empfindung zu überprüfen. Was man auf den Anderen projiziert, beeinflusst die Begegnung mit dem Anderen und wie er/sie auf uns reagiert. Einer muss den ersten Schritt machen, damit sich etwas ändert. Ich frage oft meine Klienten. Sind Sie bereit sich zu verändern?

Und was sollten Unternehmen tun, um eine Vertrauenskultur zu etablieren?
Ihr Wertesystem hinterfragen. Ich spreche nicht von den Leitbildern auf Papier. Sondern davon, welche Werte tatsächlich gelebt werden, welche Verhaltensweisen als Vorbilder gelten und welche toleriert werden. Nicht im Allgemeinen, sondern bei jedem Einzelnen.
Einer der größten Feinde einer Vertrauenskultur im Unternehmen ist Angst. Vertrauen ist nicht kompatible mit Angst. Angst einen Fehler zu machen, Angst zu versagen, Angst weniger Wert zu sein als die anderen, Angst, dass etwas gegen einen benutzt wird, Angst um den Bonus, Angst den Job zu verlieren.. und so viel mehr. Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel Angst ich bei den Menschen spüre, die ich in Unternehmen treffe. Es geht so viel dadurch verloren. Aus meiner Sicht müsste man da ansetzen. Damit Menschen in Unternehmen keine Angst mehr haben. Damit sie wieder Vertrauen in sich, andere und in ihrem Umfeld gewinnen. Und dann passieren Wunder!

Auf der women&work am 4. Juni halten Sie einen Vortrag zum Thema „Vertrauen im internationalen Kontext“. Worauf können sich die Besucherinnen freuen?
Ich habe mich in meinem Leben mit diesem Thema intensiv beschäftigt: als Psychologin, als Internationaler Coach und Beraterin, als Frau, als Mensch, als Ausländerin in Deutschland. Die Besucherinnen können sich auf einen spannenden und inspirierenden Austausch mit jemandem freuen, der mit dem Zwischenmenschlichen im internationalen Kontext schon einige Erfahrungen gesammelt und viel gesehen hat.
Ich freue mich, die Besucherinnen mit vielen Geschichten aus dem Leben zu überraschen und bin offen und neugierig auf die Begegnung mit ihnen und auf alle Fragen, die die Besucherinnen beschäftigen. Es gibt keine Tabu-Themen.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage Ihnen ein Schlagwort und Sie sagen mir, was Ihnen als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Karriere: man kann heute dabei viel kreativer sein als früher
  • Führung: ist nichts ohne kollektive Intelligenz dazu
  • Erfolg: ein subjektives Empfinden
  • Macht: es ist wie Stress, es gibt positive und negative Macht. Jeder hat die Wahl.
  • Scheitern: Gehört zum Lernen dazu
  • Quote: reicht bestimmt nicht, aber ist ein Versuch wert
  • Geld: ein Hygiene-Faktor
  • Industrie 4.0: es ist einfach die Zukunft, ob man es mag oder nicht
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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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