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Raus aus dem Tabu: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

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Sexuelle BelästigungMehr als die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland hat sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schon einmal erlebt oder beobachtet – über ihre Rechte sind viele aber nur unzureichend informiert. 81 Prozent wissen nicht, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, sie aktiv vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu schützen. Und mehr als 70 Prozent kennen zu dem Thema auch keine präsente Ansprechperson in ihrem Betrieb. Das sind die wichtigsten Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS). Bei der Messe women&work am 4. Juni in Bonn klärt die Stelle unter anderem über das Thema auf und steht für Fragen zur Verfügung. 

„Sexuelle Belästigungen können traumatische Folgen für die Betroffenen haben – nicht zuletzt deshalb sind die Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Mitarbeitenden zu schützen. Dass die Beschäftigten so wenig über ihre Rechte aufgeklärt sind, ist ein unhaltbarer Zustand“, sagte Christine Lüders, die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nennt ausdrücklich sexuelle Belästigung als Form von verbotener Diskriminierung.

Auch eine im Rahmen der Umfrage erhobene, nicht repräsentative Stichprobe unter mehr als 600 Personalverantwortlichen und Betriebsräten öffentlicher und privater Unternehmen weist auf deutliche Wissensdefizite bei sexueller Belästigung hin. So wussten 60 Prozent der Befragten auf Nachfrage nichts Konkretes darüber zu benennen, was in ihren Häusern zum Schutz vor sexueller Belästigung unternommen wird.

Ein weiteres, auffallendes Ergebnis der vom Sozialwissenschaftlichen Umfragezentrum Duisburg (SUZ) durchgeführten Erhebung ist: Bei sexueller Belästigung klaffen das Begriffsverständnis und das tatsächliche Erleben weit auseinander. Oft werden Verhaltensweisen, die vom Gesetzgeber klar als sexuelle Belästigung definiert sind, nicht als solche erkannt. Direkt danach gefragt, sagen nur 17 Prozent der befragten Frauen (und 7 Prozent der Männer) von sich, sie seien bereits am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden. Fragt man jedoch die im Gesetzestext beschriebenen Tatbestände ab („unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten“; „unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen“; „sexuell bestimmte körperliche Berührungen“; „Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen“) so geben 52 Prozent der Beschäftigten (Frauen: 49 Prozent, Männer: 56 Prozent) an, solche Belästigung bereits erlebt zu haben. Frauen erleben in deutlich höherem Ausmaß physische Belästigungen als Männer. Männer berichten eher über verbale Formen wie E-Mails sexuellen Inhalts oder zweideutige Bemerkungen. Als Urheber benennen sowohl Männer als auch Frauen am häufigsten Männer.

Weitere wichtige Ergebnisse: Dass sexuelle Belästigung verboten ist, weiß zwar eine große Mehrheit (92 Prozent). Viele individuelle, im AGG garantierte Rechte, wie etwa der Schutzanspruch gegenüber dem Arbeitgeber, sind jedoch weithin unbekannt. Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) kennt keinerlei Maßnahmen, die das eigene Unternehmen zum Schutz vor sexueller Belästigung ergriffen hätte.

„Sexuelle Belästigung darf nicht folgenlos bleiben. Betroffene sollten deshalb Hilfe in Anspruch nehmen – und Arbeitgeber müssen diese Hilfe auch anbieten. Das ist vielen Personalabteilungen öffentlicher und privater Arbeitgeber anscheinend nicht bewusst“, sagte ADS-Leiterin Christine Lüders.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes  hat kürzlich den Leitfaden „Was tun bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz?“ veröffentlicht, der sich an Beschäftigte, Arbeitgeber und Betriebsräte richtet. Es handelt sich um die bisher umfassendste praxisnahe Handreichung zu diesem Problemfeld.

Der neue Leitfaden der Antidiskriminierungsstelle liefert Zahlen und Fakten zu sexueller Belästigung, klärt über Folgen für Beschäftigte und Unternehmen auf und informiert über die Rechte und Pflichten sowie die möglichen Handlungsstrategien von Betroffenen, Vorgesetzten und Betriebsräten. Für Präventionsmaßnahmen, den Ablauf von Personalgesprächen und mögliche Sanktionen macht der Leitfaden konkrete Vorschläge.

„In Deutschland gibt es zahlreiche Betriebe jeder Größe, die das Thema sexuelle Belästigung sehr ernst nehmen und die in vorbildlicher Weise ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht werden.“, sagte Christine Lüders. „Daher bin ich besonders froh, dass wir in diesem Leitfaden mit Good-Practice-Beispielen aus den Unternehmen zeigen, wie es gehen kann.“

Der Leitfaden kann hier abgerufen werden.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurde mit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) im August 2006 gegründet. Ziel des Gesetzes ist es, Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen.

Am 4. Juni 2016 stehen Vertreterinnen und Vertreter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf der women&work in Bonn am Stand D14 als Ansprechpersonen rund um das Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sowie alle weiteren Fragen zu Diskriminierung und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz zur Verfügung. Auch der aktuell erschienene Leitfaden kann dort abgeholt werden.

>> Link zum Aussteller-Profil

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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