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Interview: Frauen in Tanzania | #WomenWorldWide

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Frauen in TanzaniaSchwerpunktthema der women&work in diesem Jahr ist das Thema „www – Women World-Wide„. Im sechsten Jahr der women&work möchten wir den Blick über den Tellerrand werfen und suchen Antworten auf die Frage, was Frauen von Frauen im internationalen Kontext voneinander lernen können? Wie können sich Frauen gegenseitig helfen und für mehr Austausch und Kooperation weltweit sorgen? Eine, die den internationalen Austausch seit vielen Jahren lebt und fördert, ist unsere langjährige Kooperationspartnerin Elke Dieterich von Manager für Menschen. Sie ist immer wieder als Beraterin auf Zeit in Tanzania und erzählt in diesem Interview von ihren Erfahrungen.

NAME: Elke Dieterich
BERUF: Gründerin und Geschäftsführerin Manager für Menschen
Meine Webseite: www.managerfuermenschen.com

Elke, du warst 2015 und auch 2016 für jeweils 3 Monate in Tansania. Warum hat es dich dort hin verschlagen?
2009 war ich das erste Mal als Beraterin auf Zeit in Tanzania. Ich wollte eigentlich nur eine kurze Auszeit nehmen, raus aus dem deutschen Hamsterrad, in einem sozialen Projekt mitarbeiten, Akkus auftanken und danach wieder zurück in den Job. Aus geplanten 3 Monaten wurden 7 Monate und seit dieser Zeit bin ich immer wieder vor Ort. Spende meine Zeit, meine Expertise und berate und coache in verschiedenen Projekten. Man liebt Tanzania oder man hasst es, bei mir ist es eindeutig die große Liebe zu Land, Kultur und Menschen.

Was hat dich an Tansania am meisten beeindruckt?
Am meisten beindruckt mich immer wieder die Kreativität der Menschen, die Lebensfreude, Hoffnung und Zuversicht bei doch vielen ausweglosen Situationen und Schicksalen, denen man hier tagtäglich begegnet. Das zieht sich überall durch: ob ich an einer Schule bin, Menschen auf der Straße treffe oder an einem Gottesdienst teilnehme.
Die Menschen hier sind in meinen Augen Lebenskünstler. Sie haben im Vergleich zu uns Deutschen nichts… Und doch haben sie so viel mehr! Sie verstehen es, mit nichts auszukommen und machen aus dem täglichen Kampf ums Überleben das Beste. Sie leben im Hier und Jetzt, leben nicht wie wir in der Vergangenheit oder rennen Plänen hinterher.

Wie leben die Frauen in Tansania? Was hast du von ihnen lernen können – und was haben sie von dir gelernt?
Die Frauen sind in Tanzania die Stützen der Gesellschaft. Ohne sie würde hier alles zusammenbrechen. Eine Studie einer lokalen Organisation hat bestätigt, dass Frauen täglich bis zu 4 Stunden mehr arbeiten als tanzanische Männer. Sie kümmern sich um Haushalt, Landwirtschaft und um die Versorgung der Kinder. Mehrere Stunden Fußmarsch, um Feuerholz zu sammeln oder den täglichen Wasserbedarf zu sichern, sind da keine Seltenheit. Verdienen Frauen zusätzlich selbst Geld, dann können sie oft nicht frei darüber verfügen, oder das wenige Geld, das zur Verfügung steht, wird vom Partner in Alkohol umgesetzt. Häusliche Gewalt ist an der Tagesordnung, Respekt wird den Frauen oft erst im hohen Alter gezollt. Und wenn es um Bildung und den Besuch einer Schule geht, so stehen Mädchen und Frauen hinten an.
Der gegenseitige Wissenstransfer ist eine meiner Aufgaben hier. Viel wichtiger jedoch ist, dass ich versuche das Selbstvertrauen der Frauen zu stärken und ihnen aufzeige, was sie können und leisten. Und dass sie darauf, was sie bereits erreicht haben, mehr als stolz sein können. In meinen Projekteinsätzen halte ich mich somit zumeist auch an die Frauen, denn auf sie kann ich mich verlassen. Sie wollen lernen und sie wollen Verantwortung übernehmen. Sie lassen sich nicht unterkriegen.
Im Gegenzug erhalte ich von den tanzanischen Frauen Einblick in ihre Kultur. Sie lehren mich Demut und den Blick fürs Wesentliche nicht zu verlieren. Durch sie wird mir immer wieder aufgezeigt, welches Glück ich habe, in Deutschland aufgewachsen zu sein, eine wunderbare Schulbildung genossen zu haben und die gleichen Rechte wie ein Mann zu haben.

Du warst und bist nicht nur Beraterin in einem fremden Land, sondern du vermittelst mit deiner Firma „Manager für Menschen“ ja auch selbst Berater auf Zeit in andere Länder. Wovon profitieren die „Berater auf Zeit“ am meisten, wenn sie im Ausland sind?
Neben der reinen Idee der Auszeit, des Abschaltens und des Tempo rausnehmen profitieren die Berater auf Zeit von einer Vielzahl weiterer Dinge. Sie lernen eine fremde Kultur kennen, lernen evtl. eine neue Sprache. Sie bringen ihre Kompetenzen sinnvoll in einem Projekt ein, müssen aber dabei gleichzeitig lernen, kreativ zu sein und flexibel auf Anforderungen zu reagieren. Wer in einem sozialen Projekt als Berater auf Zeit agiert, der muss loslassen können, sich selbst zurücknehmen und sich voll und ganz auf die neue Kultur und deren Arbeitsweise einlassen. Im Gegenzug lernt man sich selbst besser kennen, kommt gestärkt und selbstbewusster zurück. Ein Einsatz als Berater auf Zeit fördert die soziale Kompetenz und der Verzicht auf Luxus lässt einen auf das Wesentliche konzentrieren. Weniger ist mehr!
On top hat ein Sabbatical auch einen Mehrwert für das eigene Unternehmen. Es steigert Kompetenz, Gesundheit und auch Motivation der Arbeitnehmer. Mitarbeiter, die in ihrem Social Sabbatical-Wunsch von ihrem Unternehmen unterstützt werden, kommen als loyale Mitarbeiter zurück. Im besten Fall können sie nach ihrer Rückkehr sogar als interne Berater eingesetzt werden. Durch den Perspektivwechsel und den Abstand haben sie einen anderen Blick auf die Dinge entwickelt und können mit einem Adlerblick interne Abläufe anders bewerten und einschätzen.

In deinem Webinar am 31. Mai wirst du die „Auszeit als Chance“ vorstellen. Warum und wofür ist eine Auszeit eine Chance?
Eine Auszeit – richtig genutzt – ist ganz klar eine Chance, um lang gehegte Träume zu verwirklichen und um einmal wieder Innen zu halten, sich zu besinnen: Was ist mir wichtig im Leben? Was brauche ich? Auf was kann ich verzichten? Es ist eine Chance einmal über den Tellerrand zu schauen, seine eigene Perspektive auf den Prüfstand zu stellen und Dinge nachhaltig zu verändern. Das Optimum ist, wenn man das Erlebte und Gelernte dann in seinen deutschen Alltag einfließen lassen kann.

Welche drei entscheidenden Fragen sollten sich Menschen stellen, die als „Berater auf Zeit“ ins Ausland gehen?
Neben den unbedingt notwendigen Sprachkenntnissen und einer guten Gesundheit sind für mich die Antworten auf diese Fragen entscheidend:

  1. In wieweit bin ich wirklich daran interessiert, mich und mein Wissen an der Lebenswirklichkeit des jeweiligen Einsatzlandes (Lebensweise, Arbeitsweise, Kultur, Hygiene etc.) weiter zu entwickeln?
  2. Brauche ich klare Strukturen und Aufgaben? Kann ich selbständig arbeiten?
  3. Wie sehr kann und will ich mich selbst mit meinen eigenen Wünschen, Ideen, Zielen zurücknehmen?

Am 4. Juni 2016 bist du nicht nur mit einem Messestand auf der women&work (K28) vertreten, sondern du wirst zu unserem Schwerpunktthema „www – women world wide“ auch eine Podiumsdiskussion organisieren? Was erwartet die Zuhörerinnen in dieser Podiumsdiskussion? Worauf können sie sich besonders freuen?
Unter dem Motto „Pamoja tunaweza – Gemeinsam sind wir stark“ erwartet die Messebesucherinnen eine spannende Berichterstattung und Diskussion ehemaliger Beraterinnen auf Zeit. Sie berichten von ihrem eigenen Einsatz und wie die Frauen im jeweiligen Einsatzland leben und arbeiten. Sie zeigen auf, welche Unterschiede es zu Deutschland und ob es vielleicht sogar Gemeinsamkeiten gibt. Spannend wird insbesondere auch die Frage, was die Beraterinnen auf Zeit für sich selbst gelernt und aus ihrem Einsatz mitgenommen haben.

Und zum Schluss noch ein kleines Spiel. Ich sage dir ein Schlagwort und du sagst mir, was dir als erstes dazu durch den Kopf geht:

  • Karriere: Die offiziell definierte Karriere habe ich 2009 mit meiner Kündigung bei meinem damaligen Arbeitgeber an den Nagel gehängt. Karriere im eigentlichen Sinn bedeutet mir nichts mehr. Es muss mir gut gehen, ich muss Spaß und Freude an meinem Tun haben, ich möchte sehen, dass ich etwas bewirken kann. Das ist für mich heute wichtig.
  • Führung: Wird leider immer noch komplett missverstanden. Ich würde in manchen Führungsetagen gerne mal so richtig aufräumen.
  • Erfolg: Ist für mich, wenn ich es schaffe einem Kind eine Schulausbildung und damit eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Einer tanzanischen Frau Werkzeug in die Hand gebe, damit sie zukünftig selbständig Dinge umsetzen kann. Wenn ein Berater auf Zeit aus seinem Einsatz zurückkommt und sagt „Der Einsatz als Berater auf Zeit war die beste Entscheidung und Zeit meines Lebens.“ Oder wenn ich dem ein oder anderen Griesgram –  insbesondere in Deutschland – ein Lachen ins Gesicht zaubern kann 😉
  • Macht: Wird leider von den falschen Menschen immer noch zu sehr ausgenutzt.
  • Scheitern: Gibt’s nicht! Aus jedem ‚Nicht-Gelingen’ kann man in der Tat etwas positives ziehen.
  • Quote: Bei meinem ehemaligen Arbeitgeber war ich die einzige Frau in der Führungsetage. Was hätte ich mir da ab und an eine Kollegin gewünscht.
  • Geld: Notwendiges Übel, dem zu viel Bedeutung zugesprochen wird.

 

Mehr zum Thema:
Elke Dieterich im Webinar am 31. Mai von 18-19 Uhr zum Thema „Auszeit als Chance“. Besuchen Sie außerdem den Stand von Manager für Menschen in der Karriere- und Leadership-Lounge am 4. Juni in Bonn oder lassen Sie sich im Rahmen der Podiumsdiskussion um 17:00 Uhr inspirieren, wenn es heißt: „Pamoja tunaweza! Starke Frauen weltweit!

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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