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Weiblichkeit 4.0 – Innere Mitte, reloaded

innere Mitte

(Von Hannah Knies) In der heutigen informations- und reizüberfluteten Zeit ist eine Rückbesinnung auf das Innere, die innere Mitte, den inneren Raum, das Kraftzentrum zu einem Modethema mutiert, zu einem inflationär angepriesenen Heilmittel und fast schon zwangsweise gefordertem Entwicklungsschritt hin zur eigenen Perfektionierung. Angetrieben von immer neuen, sehr männlich geprägten Konzepten (nicht Personen, sondern Denk- und Handlungsstrukturen), hat sich das Streben, die innere Mitte zu finden, zu einem kategorischen Imperativ der Persönlichkeitsentwicklung ausgewachsen – möglichst schnell, möglichst effektiv, möglichst nachhaltig. Klare Zielsetzung: Wenn einmal gefunden, dann ist das Thema bitteschön auch erledigt.

Grundsätzlich kann ich das Streben nach Rückverbindung mit der eigenen Mitte, Authentizität, Essenz (fill in the gap) nur befürworten. Die heutige Welt betrachtet, ist es offensichtlich, dass genug Schaden angerichtet wurde durch unverbundene Menschen (Männer und Frauen), die unverbundene Entscheidungen treffen. Die Konsequenzen sind offensichtlich und zunehmend verheerend. Dennoch stellt sich mir regelmäßig eine Frage: Wer beurteilt denn, was genau diese innere Mitte eigentlich ist? Und wann kann man sicher sein, dass man sie auch tatsächlich gefunden hat? Sie hätten im vorangegangenen Satz jedes „man“ durch „Mann“ ersetzen können und wären damit dem Kern der Fragestellung schon ein ganzes Stück nähergekommen. Denn: Dieser Wunsch nach Messbarkeit, nach Linearität, nach Endlichkeit ist ein zutiefst männlich geprägter. Auch hier beziehe ich mich explizit nicht auf Männer als Personen, sondern das Männliche als Basiselement einer bestimmten Art der Wahrnehmung, des Denkens und Handelns.

Diese Illusion von Struktur und Vergleichbarkeit (Messwerte implizieren Vergleiche) gilt es loszulassen. Ich verwende den Begriff „Illusion“ ganz bewusst, denn letztlich hat die Erfahrung in meiner Arbeit mit vielen Frauen in den letzten Jahren eines gezeigt: Die „innere Mitte“, das „innere Kraftzentrum“, die eigene „Authentizität“ und „Essenz“ sieht für jede von uns anders aus. Und: Sie fühlt sich für jede von uns anders an. Oftmals ist es so (das beobachte ich immer wieder), dass der Wunsch nach Mess- und damit Vergleichbarkeit den Blick auf genau diese Wahrheit verstellt, was wiederum zu Komplikationen führt, die keine sein müssten. Denn: Die innere Mitte ist oftmals schon da. Sie fühlt sich nur an einem entspannten Tag, an dem viel Raum zur Entfaltung da war, präsenter an als an Tagen, an denen sich der geliebte Spross auf den Rücksitz des Autos erbricht, um danach die dreihundertste Auflage der Schlacht um das Süßigkeitenregal im Supermarkt anzufackeln. An solchen Tagen haben Sie vielleicht das Gefühl, Sie wären so gar nicht zentriert. Fakt ist: Sie nehmen Ihr Zentrum einfach distanzierter wahr, weil im Außen eine Flut von Reizen auf Sie einstürmt.

Um zum einen das Streben nach Rückverbindung mit dem ureigensten Selbst von Dogmen zu befreien und zum anderen das Liebevolle und Kraftgebende aus diesem Weg zu ziehen, ist es wichtig, die eigene Erwartungshaltung zu beleuchten: Was glaube ich, zu sein oder zu haben, wenn ich in meiner Mitte angekommen bin? Wie fühlt es sich vermutlich für mich an, wenn ich in meiner Mitte bin? Was davon fühle ich jetzt schon? Und wie kann ich mich an dieses Gefühl erinnern?

Das Leben ändert sich jeden Tag. Sie verändern sich jeden Tag. Die Welt verändert sich jeden Tag. Und so ist auch der Weg zur inneren Mitte aus meiner Sicht ein stets veränderlicher und keinesfalls in Stein gemeißelt. Er ist Ihrer. Er ist unvergleichlich. Er kann– sehr weiblich, schöpferisch und neugierig – jeden Tag neu erfahren werden. Die Kraft, die Sie aus dieser Erfahrung schöpfen können, geht über jedes Messsystem hinaus. Egal, für welchen Weg Sie sich letztlich entscheiden.

Hannah Knies schreibt ab sofort monatlich für die Kolumne „Weiblichkeit 4.0“ im women&work-NewsLetter und wird auch am 4. Mai 2019 erneut auf der women&work in Frankfurt für Fragen und Kurz-Coachings zur Verfügung stehen. Wer so lange nicht warten will, kann ihre Webseite besuchen: www.divinesparkleinside.com

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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