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Europas größter Karriere-Event für Frauen

#Erfinderinnenpreis: Informatikerinnen, die Geschichte geschrieben haben

InformatikerinDie IT-Branche ist eine Männerbranche – so scheint es. Doch das war nicht immer so – und das soll so auch nicht bleiben. Fünf Informatikerinnen haben – still und leise – Geschichte geschrieben. Damit die bahnbrechenden Leistungen von Frauen zukünftig ein wenig lauter gefeiert werden, haben wir den women&work-Erfinderinnenpreis ins Leben gerufen, für den Sie sich ab sofort bis zum 20. September bewerben können.

Computerprogrammierung ist ein Bereich, der von Männern dominiert wird, richtig? Nun, in Bezug auf die Anzahl ist das richtig, wie Daten des US Bureau of Labor Statistics zeigen.
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In der Technik sind Frauen im Silicon Valley – aber auch bei uns in Deutschland – deutlich unterrepräsentiert. Hier ein paar Zahlen, die aufrütteln dürfen:

  • Laut einer Bitkom-Studie waren 2015 in der IT-Branche gerade einmal 24 Prozent aller Beschäftigten weiblichen Geschlechts, im Top-Management waren es sogar nur fünf Prozent.
  • Ein Mann im Wirtschaftsbereich „Information und Kommunikation“ (u.a. IT-Dienstleistungen, Datenverarbeitung, Webhosting) verdient laut aktuellen destatis-Daten 32 Prozent mehr als seine Das geschlechtsspezifische Lohngefälle in der IT-Branche generell beträgt in Deutschland 25 Prozent. Dies stellt den schlechtesten Wert in Westeuropa dar und ist doppelt so hoch wie in Belgien und Frankreich, wo die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen 11,8 Prozent beträgt.
  • Im IT-Sektor sind nur 17,4 Prozent aller Bewerber für IT-Positionen Frauen, bei den Top-1.000-Unternehmen sogar nur 13,3 Prozent – ein Durchschnitt von lediglich 15 Prozent
  • 45,3 Prozent der IT-Expertinnen haben Chancenungleichheit am Arbeitsplatz beobachtet oder selbst erfahren. Bei den Männern in der Studie waren es nur knapp 24 Prozent.
  • Der Anteil der männlichen Mitarbeiter im Digitalsektor ist laut einer Analyse im Auftrag der EU-Kommission dreimal so hoch wie der der weiblichen.
  • Vor allem im Alter zwischen 30 und 44 steigen 8,7 Prozent der Frauen aus IT-Berufen wieder aus. Die Forscher beziffern den dadurch verursachten Produktivitätsverlust auf 16,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Dabei ist es im Zeitalter von KI besonders wichtig, dass Entwickler-Teams divers aufgestellt sind, um dem sogenannten „Automation Bias“ – der Diskriminierung durch Algorithmen – vorzubeugen. Und wenn man geschichtlich zurückblickt, so war die IT- und Computerbranche ursprünglich mal (fast) eine Frauendomäne – gegründet wurde sie jedenfalls, das ist historisch verbrieft – von einer Frau.

Hier sind – zu Motivationszwecken – fünf weibliche Programmiererinnen der Anfangsjahre, die Großartiges vollbracht und die Welt verändert haben:

  1. Ada Lovelace (1815 – 1852)
    Die Tochter des britischen Dichters Lord Byron war eine viktorianische Mathematikerin. Sie arbeitete mit Charles Babbage an seinen Rechenmaschinen. Lovalace nannte er die „Zauberin der Zahlen“.  Ada Lovelace wurde von ihrer Mutter ermutigt, sich nicht nur mit Dichtkunst und Sprache zu beschäftigen, sondern auch mit Naturwissenschaften – eine Sensation im beginnenden Industriezeitalter, dessen Anfänge Lovelace in London live miterlebt hatte. Ihre mathematischen Berechnungen und Grundideen der Programmierung waren bahnbrechend. Sie gilt heute als die Gründerin der Informatik und als die erste Computerprogrammiererin der Welt.  Das British Science Museum argumentiert, dass Lovelace die moderne Informatik um ein Jahrhundert vorwegnahm, weil sie – weit vor Beginn des eigentlichen Informationszeitalters – die Fähigkeit von Rechenmaschinen verstand.  Ihre Anmerkungen zu einer Übersetzung einer italienischen Beschreibung der Rechenmaschine beinhalten das, was als der allererste Algorithmus für die maschinelle Verarbeitung gilt. Sie schlug auch die Möglichkeiten eines solchen Gerätes zur Erstellung von Grafiken oder Musik vor.
  2. Joan Clarke (1917 – 1996)
    Sie war eine bekannte englische Kryptoanalytikerin. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Joan Clarke zusammen mit Alan Turing im Bletchley Park – in der militärischen Dienststelle, die sich erfolgreich mit der Entzifferung des deutschen Nachrichtenverkehrs befasste. Dort trug sie wesentlich zum Bruch der deutschen Rotor-Schlüsselmaschine Enigma bei. Es wird häufig behauptet, dass ihre Entwicklungserfolge den Krieg um bis zu zwei Jahre verkürzt hätten. Ihr Leben wurde später verfilmt. Keira Kneightley spielte die Hauptrolle im „Imitiation Game“.
  3. Grace Hopper (1906 – 1992)
    Sie war eine US-amerikanische Informatikerin und Computerpionierin bei der Entwicklung barrierefreier Computer-Programmiersprachen in englischer Sprache. Sie war überzeugt, dass die Öffnung des Computers für geschäftliche und nicht-wissenschaftliche Anwendungen einfachere Programmiersprachen erforderte. Zu der Zeit glaubte man jedoch, dass Computer kein Englisch verstehen würden. Daher dauerte es Jahre, bis ihre Ideen akzeptiert und verstanden wurden. Allein ihrer Beharrlichkeit war es zu verdanken, dass sie die Idee einer verständlichen Computersprache unbeirrt weiterverfolgte. Schließlich brachte sie – vereinfacht ausgedrückt – dem Computer das Sprechen bei. Ihrer Pionierleistung ist es zu verdanken, dass wir heute weltweit Compiler, Interpreter und Programmiersprachen nutzen. Von US-Talkshow-Moderator David Letterman wurde sie – vermutlich nicht zu Unrecht – als die „Königin der Software“ bezeichnet.
  4. Hedy Lamarr (1914 – 2000)
    Die Österreicherin war Schauspielerin und bahnbrechende Pionierin im Bereich der Frequenzforschung. Als Gegnerin des Nationalsozialismus stellte sie sich auf die Seite der Alliierten und entwickelte eine 1942 patentierte Funkfernsteuerung für Torpedos. Der darin enthaltende gleichzeitige Frequenzwechsel wird in der heutigen Kommunikationstechnik zum Beispiel bei Bluetooth-Verbindungen oder mit der GSM-Technik angewendet.
  5. Margaret Hamilton (geb. 1936)
    Sie ist eine US-amerikanische Informatikerin und Mathematikerin. Sie war Direktorin der Software-Abteilung des Instrumentation Laboratory (jetzt Draper Laboratory) am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo die On-Board-Flugsoftware für das Apollo-Raumfahrtprogramm entwickelt wurde.  Das von ihr geleitete  Entwickler-Team schrieb den Code für den ersten tragbaren Computer und musste buchstäblich bei null anfangen, da eine solche Programmierleistung zuvor noch nie probiert wurde. Hamilton popularisierte den Begriff Software-Engineering und schuf damit eine neue Branche innerhalb der Computer- und IT-Industrie.
  6. Dr. Katharina Morik (geb. 1954)
    Sie ist eine deutsche Informatikerin und Leiterin des Lehrstuhls für Künstliche Intelligenz an der Fakultät für Informatik der TU Dortmund. 1981 promovierte sie am Lehrstuhl „Natürlichsprachliche Systeme (NatS)“ mit einer Dissertation zum Thema „Validierung von Überzeugungssystemen der Künstlichen Intelligenz vor dem Hintergrund linguistischer Theorien über implizite Äußerungen“.  1985 übernahm sie an der TU Berlin die interne Projektleitung für das Verbundprojekt LERNER, in dem das erste deutsche maschinelles Lernen integrierende Wissenserwerbssystem entwickelt wurde. Damit gilt sie – gemeinsam mit ihrem Kollegen Wolfgang Wahlster – als „Erfinderin“ des Fachbereichs „Künstliche Intelligenz“ in Deutschland.

Von den genannten Frauen befinden sich übrigens nur Ada Lovelace und Grace Hopper in Wikipedias Liste „Bedeutende Personen für die Informatik“. Dass es seit Beginn der Computer- und IT-Industrie noch viel mehr Frauen gibt, die bahnbrechende Erfindungen in der IT geleistet haben, zeigt diese Grafik:

Frauen in der Informatik

Den passenden Artikel dazu gibt es auch bei Wikipedia. Interessanterweise ist er lediglich betitelt mit „Frauen in der Informatik“. Wir finden, es fehlt das Adjektiv „Bedeutende“ – vielleicht hätten es diese Frauen dann auch in die Liste der „Bedeutenden Personen für die Informatik“ geschafft, wo sie fraglos hingehören!

 

women&work-Erfinderinnenpreis geht in die nächste Runde

Der women&work-Erfinderinnenpreis zeichnet seit 2017 Frauen aus, die maßgeblichen Einfluss an Erfindungen haben – sei es im technischen, sozialen oder im Service-Bereich, sowie in Gesellschaft und Organisation.  Für den women&work Erfinderinnenpreis können sich Frauen ab 18 Jahren bewerben, die eine Erfindung in Deutschland entwickelt und/oder beim Deutschen Patent- und Markenamt oder beim Europäischen Patentamt angemeldet haben. Der women&work-Erfinderinnenpreis wird in drei Kategorien vergeben: Technologie, Service & Sozial, Geschäftsmodell & Organisation. Eine Bewerbung ist bis zum 20. September 2018 möglich.
Die Bewerbungsmodalitäten sowie weitere Informationen zum Erfinderinnenpreis und ein Rückblick auf die Preisträgerinnen 2017 gibt es auf der Webseite www.Erfinderinnenpreis.de.

 

Quellen:

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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