women&work

Europas größter Karriere-Event für Frauen

Weiblichkeit 4.0 – Es ist Zeit, aufzuräumen

aufräumen(Von Hannah Knies) Es war einer dieser seltenen Samstagabende, an dem meine „Mädels“ und ich es tatsächlich geschafft hatten, nach wochenlangem (oder sogar monatelangem?) Vorlauf einen gemeinsamen Termin für ein Treffen zu finden und dann auch noch stoisch daran festzuhalten, bis es soweit war. Sprich: Ein herausragendes Ereignis fand statt! … verzweifeln Sie auch manchmal nicht nur an Ihrem eigenen Terminkalender, sondern auch an dem Ihrer liebsten und engsten Mitmenschen? Man möchte laut „Ich verbiete das!!“ rufen, wenn die gazillionste Nachricht, beginnend mit „Ich kann nicht, weil …“, im Gruppenchat hochploppt. Aber ich komme vom Thema ab …

Meine Freundinnen und ich hatten es jedenfalls geschafft. Alle da. Unglaublich. Unglaublich toll! Und noch toller, weil die Runde durch ein neues Gesicht verstärkt wurde. Neugier war ganz offensichtlich beidseitig ausreichend vorhanden und so kamen wir bald ins Gespräch und fragten uns die üblichen Standard-Löcher in den Bauch: Wer wen woher kennt, wer woher kommt und jetzt wo lebt und was macht. Und dann kam sie, diese Kette von Fragen, die die Büchse der Pandora öffnete: Hast Du Kinder? Nein, ich habe keine Kinder. (Es folgte die nächste Zündungsstufe.) Wie alt bist Du? 38. (Kurzes Schweigen, offensichtlich musste kurz etwas nachgerechnet werden.) Ach, dann hast Du ja noch Zeit. (Mit Nachdruck ging es weiter.) Aber die Uhr tickt ja schon – willst Du Kinder? Ja. (Die Augen weiteten sich.) Na, dann musst Du dich ranhalten! Wann willst Du denn Kinder? An diesem Punkt atmete ich tief durch und erzählte von meinem großen Meilenstein, den ich erreichen wollte, bevor ich mich mit diesem Thema näher befassen würde. Ich erzählte von meiner Einstellung, davon, wie sehr ich Kinder mag und wie schön es doch sei, dass ich ganz oft Gelegenheit hätte, mit Kindern in Kontakt zu sein (durch meine Arbeit, durch mein privates Umfeld). Ich erklärte darüber hinaus auch noch, dass ich mein Lebensglück nicht von eigenen Kindern abhängig machen würde und einfach schauen würde, wie sich die nächsten Jahre entwickeln würden und wie entspannt sich das alles anfühlen würde. Ganz schön viel Antwort für eine kurze Frage. Und darauf meine Gesprächspartnerin, etwas zerknirscht: Eigentlich geht das ja auch keinen was an, oder? Diese Frage konnte ich mit einem lächelnden „Ja.“ beantworten …

Der Abend war wunderbar, es wurde gefeiert, getanzt und gelacht. Nur dieser Teil eines ansonsten richtig guten Gespräches mit einer tollen Frau (der geschilderte Ausschnitt war nur eine kurze Episode am Anfang einer langen und fröhlichen Unterhaltung) blieb in mir kleben wie der schiefe Schlussakkord eines wunderbaren Klavierkonzerts. Warum beschäftigte mich das so? Warum hatte ich immer wieder das Bedürfnis, mich und meine Absichten zu erklären, sobald dieses Thema angesprochen wurde? Es war schließlich nicht das erste Mal, dass eine Unterhaltung mit einer Frau in diese Richtung lief. Bilder von ähnlichen Konversationen zogen vor meinem inneren Auge vorbei inklusive eines roten Fadens, der offensichtlich wurde: Alle diese Gespräche hatte ich mit Frauen geführt. Und augenscheinlich hatte ich eine magische (Alters-) Grenze überschritten, ab der sich meine Gesprächspartnerinnen (also die mit Kindern) befleißigt fühlten, mich zu dem Thema näher ins Gebet zu nehmen.

Denn tatsächlich fühlte es sich so an: Wie ein Verhör, nicht wie ein Gespräch. Ich hatte das Gefühl, mich verteidigen, mich rechtfertigen zu müssen. Zu einem Thema, das so zutiefst persönlich und privat ist, dass jede Nachfrage für mich eigentlich schon eine zu viel war. Ich weiß aus Gesprächen, dass ich bei weitem die Einzige bin, die das so erlebt. Für mich zeugt diese Form von Unterhaltung von einem ziemlich rückständigen und dogmatischen Welt- und Frauenbild. Wenn ich überlege, wie oft ich mir schon anhören musste, egoistisch zu sein, meine Gene zu verschwenden oder es bestimmt zu bereuen, wenn ich es später versuche und es dann nicht klappt (m. a. W.: Selbst schuld.), wird mir ganz übel. Diese Form von Übergriffigkeit (denn so fühlen sich diese Fragen und Aussagen für mich an) gehört meiner Meinung nach auf den Scheiterhaufen der Geschichte. Dafür ist aber ein großangelegtes Aufräumen notwendig – ganz offensichtlich in den Wertesystemen und Glaubensmustern von uns Frauen.

Bevor dieses Thema in meinem Leben so präsent wurde, hatte ich mir offen gestanden wenig Gedanken darüber gemacht, wer oder was mein Frauenbild geprägt hat, geschweige denn, wie mein Frauenbild überhaupt aussieht. Ich fand mich ziemlich emanzipiert. Näher hingeschaut, entdeckte ich viele alte Schubladen und (Be-) Wertungsmuster, die ich unbesehen als meine übernommen hatte. Das hat meinen Blick enorm geweitet und mich entsprechend sensibilisiert. Und ich nehme viel bewusster wahr, in welchem Maße wir Frauen uns gegenseitig (bewusst oder unbewusst) aus meiner Sicht veraltete Frauenbilder „um die Ohren hauen“ und so gegenseitig verunsichern. Deshalb kommt an dieser Stelle meine herzliche Bitte: Schauen Sie in Ihren inneren Schubladen nach. Sie werden sich unter Umständen wundern, was Sie ans Tageslicht befördern (bei mir war das definitiv so). Räumen Sie den alten Krempel weg und geben Sie an Ihre Schwestern, Mütter, Freundinnen, Töchter, Enkelinnen und Kolleginnen das weiter, was sie inspiriert, sie bestärkt, sie befreit. Aus meiner Sicht kommen wir keinen Schritt weiter, wenn wir die Freiheiten, die einst für uns erkämpft worden sind, im zwischenmenschlichen Miteinander mit Dünkel und Missgunst belegen. So war das ursprünglich bestimmt nicht gedacht. Und so möchte ich ganz persönlich auch nicht, dass diese Welt aussieht.

… was meinen Sie? Begegnen Sie im Alltag veralteten Frauenbildern – in Gesprächen, in Handlungsabläufen? Wie gehen Sie damit um?

Hannah Knies schreibt monatlich für die Kolumne „Weiblichkeit 4.0“ im women&work-NewsLetter und wird auch am 4. Mai 2019 erneut auf der women&work in Frankfurt für Fragen und Kurz-Coachings zur Verfügung stehen. Wer so lange nicht warten will, kann ihre Webseite besuchen: www.divinesparkleinside.com

Advertisements

Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.