women&work

Europas größter Karriere-Event für Frauen

Weiblichkeit 4.0 – Mäuseperspektive

Mäuseperspektive(Von Hannah Knies) Es herbstelt gewaltig – alles was sich ausgedehnt hat und erblüht und gewachsen ist, tritt nach und nach die „Rolle rückwärts“ an und zieht sich ein bisschen zurück: Die Blätter fallen, Gräser und Blumen vertrocknen und stellen das Wachstum ein, die Bäume ziehen ihre Säfte aus den Zweigen zurück in den Stamm und zur Wurzel. Back to the roots, ganz wörtlich. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber in mir gibt es jeden Herbst genau die gleiche Tendenz, in einer Art vorgezogener Rückschau anzuerkennen, was sich da so alles im (Geschäfts-)Leben entfaltet und entwickelt hat – und zu entscheiden, was davon in die Wurzeln (in den Kern) wandern darf und was ich loslassen kann. So tue ich das auch diesen Herbst.

Dabei wird mir einmal mehr eine spannende Falle bewusst, in die viele gerne tappen (an dieser Stelle bekenne ich mich direkt mal schuldig im Sinne der Anklage) – besonders wenn Sie eine Visionärin mit großen Zielen sind, die Großes erschaffen und etwas bewirken möchte, werden Sie sich hier wiederfinden: Manchmal sind wir so darauf fokussiert und gepolt das große Ganze zu erschaffen, dass wir die Verbindung zu den Schritten und Einzelteilen verlieren, die uns dorthin führen. Wir nehmen sie als selbstverständlich hin, all diese vermeintlich kleinen Dinge, die wir tun, aber wir verbinden uns nicht wirklich mit ihnen. Muss halt gemacht werden, ist ja aber nix Dolles, sondern verschwindet im Alltags-Klein-Klein. Passiert, ist verständlich – und macht einen Riesen-Unterschied nicht nur darin, wie wir unseren Weg und Fortschritt wahrnehmen, sondern auch darin, wie bewusst wir uns unserer eigenen Magie sind, die das kreiert und erschafft.

Lassen Sie mich Ihnen ein Bild geben: Immer nur dem großen Bild hinterherzujagen, sich nicht der Teile bewusst zu sein, die das Puzzle vervollständigen, ist, als würde man über dem Boden schweben ohne nach unten zu schauen. Stellen Sie sich das einmal vor und versuchen Sie, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie würde das aussehen, über dem Boden „voranzuschweben“? Sie könnten sehen, dass Sie sich bewegen, aber Sie wären sich Ihrer Schritte nicht bewusst, weil Sie nicht auf dem Boden stehen und nicht spüren, wie Sie sie machen. Sie haben keine Ahnung, wie lang die tatsächliche Strecke ist, die Sie bis zu diesem Punkt geschafft haben, weil Sie geschwebt sind, nicht gelaufen – die Strecke ist quasi nicht in Ihrem Körper angekommen. Und, das kommt noch dazu, Sie könnten mögliche Hindernisse, auf die Sie eventuell zusteuern, schlechter erkennen und umgehen, weil Sie sich nicht auf Ihren Weg konzentrieren, sondern auf das große Bild, das sich irgendwo in den Wolken befindet. Sie wären nicht verbunden, nicht geerdet. Was dieser Schwebezustand bewirkt ist zum einen, dass er Sie logischerweise davon abhält, sich des Prozesses voll bewusst zu sein, in dem Sie gerade unterwegs sind. Was aber noch viel spannender ist: Dieses konstante Schweben bewegt Sie unter Umständen sogar von Ihrem gewünschten Ergebnis weg, weil Sie nicht „drin“ sind. Leichte Abweichungen von der Mittellinie werden im Schweben nicht erkannt und wahrgenommen und so kann es sein, dass das Ziel verfehlt wird.

Jetzt könnten Sie natürlich zurecht einwenden: Aber ich bin dran, jederzeit und sehr konsequent. Ich treffe Entscheidungen und handle – und das nicht zu knapp. Meine Frage ist (und die muss ich mir auch in schönster Regelmäßigkeit stellen): Sind Sie ganz präsent und „da“ mit dem, was Sie tun? Fühlen Sie die Freude über die kleinen Schritte, die Sie Ihrem großen Ziel entgegengehen? Ist Ihnen wirklich bewusst, wo Sie gerade sind, so dass Sie klar sehen können, welcher Schritt als nächstes kommt und in der Lage sind, zu optimieren und neu auszurichten, wenn Schritte, die mal angedacht waren, jetzt nicht mehr passen?

Wenn Sie jetzt das Gefühl haben, sich ein bisschen in Ihrer großen Vision verrannt zu haben, gibt es eine sehr einfache und pragmatische Möglichkeit, die Füße wieder auf den Boden zu bekommen: Nehmen Sie die „Mäuseperspektive“ ein. Gehen Sie an die Wurzel aller Dinge und schauen Sie sich alle kleinen Schritte und Elemente an, die Ihr großes Bild komplett machen. Machen Sie eine Liste aller Schritte, all der Dinge, die Sie tun mussten, um Ihren gegenwärtigen Status quo zu erreichen. Alle Aufgaben, alle Leistungen, all das tägliche Fokussieren und Handeln, alles, was Ihnen geholfen hat, das zu erschaffen, was Sie bisher kreiert haben. Listen Sie alles auf. Überraschen Sie sich selbst. Feiern Sie sich für alle Schritte, die Sie unternommen haben. Jetzt markieren Sie mal die alltäglichen Aktivitäten, die Sie wiederholt getan haben, die im ersten Moment nicht in direktem Zusammenhang mit Ihrem Ziel stehen – die Meditationen, der Sport, das ausreichend-Wasser-trinken, das gute Essen, das Entspannen … Das sind die Katalysatoren, die Goldnuggets, auf die Sie sich konzentrieren möchten. Dies sind die Schritte, die Sie näher an Ihr gewünschtes Ergebnis bringen und die so gerne mal übersehen werden. Diese alltägliche Disziplin ist es, die Sie in Bewegung hält. Der Fokus darauf hilft Ihnen, auf dem Weg präsent zu sein, Hindernisse zu erkennen und den nächsten Schritt ganz bewusst zu definieren und zu tun.

Das ist die Magie, die wir außer Acht lassen, wenn wir nur in großen Bildern denken. Unsere schöpferische Kraft liegt in allem, was wir tun – und mit dem Fokus auf die Mäuseschritte im Alltag geben wir uns die Möglichkeit, das jeden Tag zu fühlen. Mich würde natürlich interessieren, was Ihre ganz persönlichen Mäuseschritte sind: Was tun Sie jeden Tag, um sich gut zu fühlen? Was hilft Ihnen, gut im Fokus zu sein? Schreiben Sie mir gerne, ich bin gespannt auf Ihre Impulse.

Hannah Knies schreibt monatlich für die Kolumne „Weiblichkeit 4.0“ im women&work-NewsLetter und wird auch am 4. Mai 2019 erneut auf der women&work in Frankfurt für Fragen und Kurz-Coachings zur Verfügung stehen. Wer so lange nicht warten will, kann ihre Webseite besuchen: www.divinesparkleinside.com

Advertisements

Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.