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Europas Leitmesse für Frauen & Karriere

Weiblichkeit 4.0:

Identität(Von Hannah Knies) Wann immer ich in einen Coachingprozess mit Klienten einsteige, erzähle ich darüber, was alles passieren kann, wenn man sich auf die Reise in die Veränderung macht. Ich rede darüber, mit welchen Stolpersteinen man rechnen muss, was passiert, wenn man in den Wandel eintritt und ein Teil des inneren Systems mitgeht, ein anderer Teil sich aber verweigert. Ich mache deutlich, wie kreativ unser Gehirn in einem „Früher war alles besser“-Modus darin werden kann, uns von dem abzuhalten, was wir tun und implementieren wollen, um das Neue zu kreieren was uns vorschwebt. Ich gehe darauf ein, dass es durchaus vorkommen kann, dass man sich wie in einem inneren Krieg erlebt – wenn alte und neue Identität miteinander ringen. Denn das ist letztlich was passiert, wenn wir in die Veränderung gehen. Jeder Wandel geht mit einem Identitätswandel einher. Alles Neue, was wir in unser Leben integrieren möchten, muss ultimativ von einer damit in Einklang stehenden Persönlichkeit getragen werden.

Und so erlebe ich auch den globalen Wandel der Weiblichkeit. Der „Female Shift“ nimmt immer mehr Fahrt auf und führt zu vielen sehr bereichernden Veränderungen. Das ist gut so, genau das brauchen wir. Und ich finde (auch wenn das unverschämt klingen mag): Da geht noch viel mehr!! Ich sehe in diesem Veränderungsprozess genau die Herausforderungen des Identitätswandels, die ich eingangs beschrieben habe. Die weibliche Identität ist global im Wandel und da kommen genau die Mechanismen zum Tragen, die auch auf persönlicher Ebene greifen. Letztlich ist ja auch dieser globale Wandel ein zutiefst persönlicher. Es ist nicht „die Weiblichkeit“, die für Frauenrechte eintritt, politische Meinungen formt und verändert, demonstriert, neue Gesetze erlässt, das gesellschaftliche Frauenbild gestaltet, verändert und entstaubt. Es sind Frauen. Individuen. Die zwar oftmals in Gruppen zusammenarbeiten, aber letztlich den Veränderungsimpuls in sich selbst gefühlt und ihm nachgegangen sind. Mit allen Konsequenzen. Jede Wortführerin, jede Macherin, jede Erfinderin, jede Autorin, jede Initiatorin welcher Art auch immer hat für sich ganz individuell entschieden, ihre Veränderungsimpulse in die Welt zu bringen und damit auch entschieden, ihre ganz persönliche weibliche Identität neu zu entdecken, zu verändern, zu erweitern.

Und auch wenn das im Ergebnis zu großartigen Entwicklungen führt, erfordert es in der Entscheidungsphase jede Menge Mut. Wann immer Wandel initiiert wird, laufen die Systeme unseres Unterbewusstseins Amok. Und das ist nicht übertrieben. Jede Neuerung, sei sie auch noch so gewollt und erstrebt, löst zunächst erst einmal das aus, was ich als „Säbelzahntigeralarm“ bezeichne: Das Gehirn identifiziert die Neuerung als potentiell tödlich und setzt alles daran, zu verhindern, dass sie sich etabliert. Warum ist das so? Die schmerzhafte Wahrheit ist: In der Funktionsweise unserer unterbewussten Mechanismen haben wir uns nicht wirklich weit von der Steinzeit entfernt. Grundsätzlich tut unser Gehirn das was es schon immer (zumindest soweit das anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse nachvollzogen werden kann) getan hat: Es sorgt dafür, dass unser Körper überlebt, mehr nicht. Alles was das Gehirn steuert, soll uns möglichst lange am Leben erhalten. Um diesen Zweck möglichst effektiv zu erfüllen, wird alles, was an Eindrücken auf das System einwirkt in lediglich zwei Kategorien unterteilt: in „gewohnt“ und „neu“. Alles was als gewohnt identifiziert wird, wird als „sicher“ eingestuft. Es ist bekannt, d.h. es wurde schonmal überlebt. Das reicht um es als gewollte Erfahrung und sicher einzustufen. „Wurde schonmal überlebt“ = „Hat schonmal funktioniert“ = „Sicher“.

Alles was als neu identifiziert wird, landet in der Ecke „Potentiell tödlich“. Warum? Das Gehirn hat ausschließlich Daten aus der Vergangenheit zur Verfügung, um zu beurteilen, ob das Überleben sichergestellt ist oder nicht. Und da es bei Neuerungen jedweder Art einfach keinen Beweis in der Vergangenheit gibt, dass sie schon erfolgreich überlebt wurden, werden sie als massive Bedrohung klassifiziert. Als würde man in der Steinzeit in der sprichwörtlichen Höhle stehen und beschließen nach draußen zu gehen. Die Höhle ist für das Gehirn sicher, das „Draußen“ voller Gefahren – wer weiß, ob nicht hinter der nächsten Ecke ein Säbelzahntiger lauert? Also setzt unser Unterbewusstsein alles daran, uns vor unserer eigenen vermeintlichen Dummheit zu bewahren und in der Höhle zu halten. Säbelzahntigeralarm. Und so absurd das klingen mag: Dieser Alarm geht auch heute noch los, sobald wir in die Veränderung gehen, egal wie erwünscht sie auch sein mag. Der tolle neue Job, der Start ins eigene Geschäft, die neue erfüllende Beziehung … Alles potentiell tödlich. Zumindest für die Überlebensmechanismen unseres Oberstübchens.

Und so macht jeder Wandel auch Angst – Angst, abgelehnt zu werden, Angst, es nicht zu schaffen, Angst, nicht genug zu wissen, Angst nicht genug zu sein. Aus meiner Erfahrung heraus Ängste, die gerade bei uns Frauen auftreten, wenn wir anfangen unsere Identität zu erweitern, zu hinterfragen, zu gestalten. Der weibliche Wandel wird auch von diesen Ängsten geprägt. Und abschnittsweise dadurch auch gebremst. Das Potential für „Mehr“, das ich eingangs erwähnt habe, sehe ich in dem Mut, konsequent die neue weibliche Identität, die den Wandel trägt, zu leben. Auszuprobieren. Anzuprobieren wie ein großartiges gewagtes neues Kleid, das aus völliger Inspiration gekauft wurde und jetzt im Schrank hängt, weil plötzlich der Mut gesunken ist, es anzuziehen. Dieses Kleid, diese neue Identität will getragen werden! Der Inspirationsfunke im Herzen, der dieses Feuer des Wandels entzündet hat, war genau so real wie alle Bedenken, die das Gehirn jetzt ins Bewusstsein flutet, um das alte Bewährte aufrecht zu erhalten. Es ist alles eine Frage der bewussten Entscheidung und der Übung. Bewusst entscheiden, das Neue zu etablieren. Bewusst das Neue üben. Jeden Tag. Jeden Tag ein bisschen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Bis unser „Hausmeister Krause“ im Kopf versteht: Aha. Es ist ihr Ernst. Wir leben noch. Gestern haben wir das auch schon gemacht. Und nach und nach versteht: Das ist sicher.

Der „Female Shift“ fußt aus meiner Sicht auf neuen weiblichen Identitäten, die konsequent und mutig neue Chancen kreieren, fest in der eigenen Expertise verankert stehen, konsequent einfordern, zielgerichtet und direkt kommunizieren, kooperativ handeln. Keine weiblich adaptierte Männlichkeit, sondern neue weibliche Identitäten, die die Besonderheiten der weiblichen Energie konsequent nutzen und in einer kooperativen Gesellschaft zum eigenen Wohl und zum Wohl aller einsetzen. Klingt das zu hochtrabend? Für mich ist das eine nachhaltige und gangbare Zukunftsvision, die ich mittragen möchte und an deren Umsetzung ich aktiv jeden Tag aufs Neue arbeite. Und auch ich muss oft meinen ganzen Mut zusammennehmen, um den Wandel im Außen durch eine Erweiterung oder Erneuerung meiner (weiblichen) Identität konsequent zu unterstützen und zu tragen …

Wie ist Ihre Meinung dazu? Finden Sie, wir leben Weiblichkeit schon so konsequent neuzeitlich wie wir es könnten? Und was braucht es aus Ihrer Sicht, um das noch mehr tun zu können – im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Bereich?

Hannah Knies schreibt monatlich für die Kolumne „Weiblichkeit 4.0“ im women&work-NewsLetter und wird auch am 4. Mai 2019 erneut auf der women&work in Frankfurt für Fragen und Kurz-Coachings zur Verfügung stehen. Wer so lange nicht warten will, kann ihre Webseite besuchen: www.divinesparkleinside.com

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, zweifache Innovationspreisträgerin, ist seit fast 20 Jahren passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Ihr mit dem NiBB Innovationspreis ausgezeichnetes Buch „Futability® - Veränderungen und Transformationen bewältigen und selbstbestimmt gestalten“ ist im Februar 2016 erschienen und kann online bestellt werden unter www.futability.com. Ihr zweites Buch „Raus aus dem Mikromanagement“ ist seit Februar 2017 unter www.mikro.management erhältlich. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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