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Europas Leitmesse für Frauen & Karriere

Weiblichkeit 4.0 – Entscheide Dich und hab Spaß dabei

entscheide dichWenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kommen mir auch immer wieder Gespräche in den Sinn, die wohlmeinende Erwachsene mit mir geführt haben. Gerade Gespräche zum Thema „Verantwortung“ sind mir sehr stark im Gedächtnis geblieben. Spannenderweise ist es weniger der Inhalt der haften geblieben ist, sondern der Tonfall, die Energie, die „Farbe“, wenn Sie so wollen des Gesprächs. In den wenigsten Fällen wurde das Thema neutral oder gar positiv beleuchtet. Vielmehr wurde man nicht müßig mir mit Nachdruck begreiflich zu machen, dass Verantwortung etwas Schweres sei, fast schon eine Bürde, die man sich auflädt, ein Thema für Erwachsene (was auch immer das heißen mochte), etwas sehr Ernsthaftes, etwas in das man hineinwachsen, dem man sich würdig erweisen musste, und wenn man wahrlich erwachsen sein wollte, hatte man diese Bürde mit Ernsthaftigkeit und Würde zu tragen. Uff! Sie erkennen das Schema?

Was mir damals klar wurde wie die sprichwörtliche Kloßbrühe: Verantwortung ist nichts für Weicheier, unglaublich schwer und herausfordernd, überwältigend, langweilig und öde. Mit anderen Worten: Nichts was ich wollte. Mit dickem Punkt am Ende des Satzes. Außerdem wollte ich auch nicht erwachsen werden, wenn das bedeutete, Verantwortung (und zwar genau diese Auslegung von Verantwortung) übernehmen zu müssen. Was meinen kindlichen Kopf damals fast zum Zerbrechen brachte war die Fragestellung: Wo es doch so viele Erwachsene um mich herum gab – wie hatten die das geschafft? So verheerend sah deren Leben doch gar nicht aus? Die lachten sogar ab und an? Wie passte das zusammen?

Ein paar Jahrzehnte und Führungspositionen später muss ich bei der Erinnerung an meine kindlichen Gedanken schmunzeln. Alles was mir damals fehlte war ein kleines Puzzlestück, von dem mir ganz einfach niemand etwas erzählt hat: Der Spaß, den es machen kann, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Die Inspiration die Entscheidungen zugrunde liegen kann, die aus einer verantwortlichen Position heraus getroffen werden. Der Stolz und die Erfüllung, wenn aus diesen Entscheidungen Gutes entsteht und man spürt: Es hat sich gelohnt, mutig nach vorne zu gehen, Neues zu wagen. Das Fehlen dieses Aspektes mag zum einen damit im Zusammenhang stehen, dass ich aus einer Arbeiter- und Angestelltenfamilie stamme. Keiner meiner Verwandten führte selbständig ein Unternehmen und konnte mir von diesem Geist etwas mitgeben. Zum anderen sehe ich aber eine größere Klammer, eine gesamtgesellschaftliche Interpretation von Verantwortung sozusagen, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Wir werden ganz einfach einseitig „gefüttert“. Die Mechanismen und Beweggründe dafür sind ein eigenes Thema, mit dem man Bücher füllen könnte (glücklicherweise gibt es Autoren, die das bereits tun).

Was für mich spannend ist, ist die ganz pragmatische Ebene von: Wie kann „mit Freude Verantwortung tragen“ im täglichen Leben aussehen und funktionieren? Um das zu ergründen, lohnt sich ein Blick in die menschliche Psychologie, genauer gesagt, in das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung. Selbstwirksamkeitserwartung ist die Erwartung einer Person, aufgrund von eigenen Kompetenzen gewünschte oder beabsichtigte Handlungen erfolgreich ausführen und bewältigen zu können. Jemand, der glaubt, etwas bewirken und Herausforderungen bewältigen zu können, hat eine höhere Selbstwirksamkeitserwartung als jemand, der von sich selbst erwartet, erfolglos zu bleiben. Hier entsteht eine aus meiner Sicht spannende Wechselwirkung, die auch als „high performance cycle“ beschrieben wird (wobei mir die Wortwahl zu einseitig erscheint, aber das ist ein anderes Thema): In dem Moment, in dem wir Verantwortung wagen und die Herausforderung meistern, erleben wir uns als „wirksam“ – unsere Wirkungskraft hat sich auf erfolgreiche Art und Weise entfaltet. Test bestanden, sozusagen. Das wiederum formt unsere Erwartung an uns selbst (sprich: unsere Identität) und wir werden mutiger, risiko- und somit verantwortungsfreudiger. Entsprechend wahrscheinlicher ist es, dass wir, mit einer entsprechenden Möglichkeit konfrontiert, erneut die Chance ergreifen, verantwortlich handeln, um uns dann wiederum als noch „wirksamer“ zu erleben. Das kann zu einer Aufwärtsspirale führen, die als erfüllend, inspirierend und sehr bereichernd erlebt wird.

Wir können also lernen und trainieren, Verantwortung als etwas Positives wahrzunehmen, etwas, das sich lohnt, dass das Leben bereichert und den eigenen Wirkungsbereich vergrößert, das eigene Spielfeld erweitert. Und das mag nicht immer zu einhundert Prozent zutreffen – die gegenteilige Auslegung von Verantwortung, die ich eingangs beschrieben habe, tut dies aber auch nicht. Und so komme ich zum eigentlichen Kernpunkt dieses Artikels: Letztlich haben wir die Wahl, Verantwortung zu übernehmen oder nicht – und wir haben die Wahl, in welcher Ausprägung oder „Gefühlslage“ wir unser verantwortliches Handeln erleben. Wir treffen die Entscheidung, ob bewusst oder unbewusst, welchen Platz Verantwortung in unserem Leben einnimmt und welche Farben sie trägt.

Aus meiner Erfahrung heraus und so, wie ich Menschen im täglichen Miteinander erlebe, wohnt uns allen das Bedürfnis inne, uns selbst als wirksam zu erleben und Verantwortung zu tragen, in welcher Ausprägung auch immer. Die Lösung von äußeren einseitig geprägten Konstrukten kann ein erster Schritt sein, dieses Bedürfnis ganz individuell positiv zu erfahren und auszugestalten. Denn letztlich bewahrt uns ein wie auch immer gearteter „Verantwortungsunwille“ ja nicht davor, Verantwortung zu tragen. Wir tragen sie so oder so. Selbst die Entscheidung, keine Entscheidungen zu treffen und so vermeintlich „verantwortungsfrei“ zu bleiben, ist eine Entscheidung, deren Konsequenzen von der Person getragen werden, die sie trifft.

Und wenn das so ist, kann man doch gleich dafür sorgen, dass Entscheidungen aus Inspiration und freudigem Herzen heraus getroffen werden, meinen Sie nicht? Aus einem Gefühl heraus, das eigene Leben oder das anderer zu bereichern, mehr Farben hinzuzufügen. Mit positivem und offenem Blick auf die Ergebnisse, die die getroffenen Entscheidungen mit sich bringen. Mit Lernwillen, Selbstliebe und Entdeckerfreude. Mut zur Entscheidung und somit zur Verantwortung ist eins der Kernelemente großer Veränderungen. Wir brauchen gerade jetzt so viel mehr davon. Und das gilt nicht nur für globale Mechanismen, sondern für jeden einzelnen Lebensentwurf. Eleanor Roosevelt hat das einmal sehr treffend auf den Punkt gebracht und so überlasse ich ihr gerne das letzte Wort:

In the long run, we shape our lives, and we shape ourselves.
The process never ends until we die.
And the choices we make are ultimately our own responsibility.
(Eleanor Roosevelt)

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Autor: Melanie Vogel - Futability®

Melanie Vogel, dreifache Innovationspreisträgerin, ist seit 1998 passionierte Unternehmerin. Futability®, Innovation und Leadership sind ihre Kernthemen, die sie nicht nur als Dozentin an der Universität zu Köln unterrichtet, sondern auch in Vorträgen, Keynotes, Webinaren und Seminaren mit Unternehmern und Führungskräften teilt. Das von ihr entwickelte und preisgekrönte "Futability®-Konzept" ist ihre Antwort auf die VUCA-Welt – eine Welt dauerhafter und radikaler Veränderungen. Melanie Vogel ist außerdem Initiatorin der women&work, Europas Leitmesse für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ in der Kategorie Wirtschaft ausgezeichnet wurde. www.melanie-vogel.com

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